Berlin/Düsseldorf: Hinter der guten AfD-Prognose steckt die AfD

Berlin/Düsseldorf : Hinter der guten AfD-Prognose steckt die AfD

Das Rennen ums Kanzleramt ist weiterhin offen. Nicht nur wegen des winzigen Vorsprungs von Schwarz-Gelb gegenüber Rot-Rot-Grün in den aktuellen Umfragen. Sondern vor allem wegen der Frage, ob die euroskeptische Alternative für Deutschland (AfD) in den Bundestag einzieht. Demoskopen tun sich schwer, die Rohdaten präzise zu gewichten. Wie gut für die AfD, dass sie sich nun auf eine neue, umfassende und prompt AfD-freundliche Meta-Prognose der Düsseldorfer Kommunikationsagentur "osicom" berufen kann. Der Schönheitsfehler: Dahinter steckt die AfD selbst.

Die Ersteller der wöchentlich aktualisierten Neugewichtung aller Umfragen werden freimütig genannt. "Wahl-Radar Team: Dr. Ulrick Wlecke, Wolfgang Osinski, Jennifer Preu". Der unbedarfte Laie wird über die dahinter stehende Agentur "osicom" schnell weiter kommen: Wolfgang Osinski hat das Unternehmen zur Kommunikationsberatung im Sommer 2000 gegründet – nach Stationen bei Medien und große Unternehmen.

"Wolfgang Osinski" taucht aber auch auf der Homepage der Düsseldorfer AfD auf, wo er als AfD-Vorstandsmitglied fleißig die Wahl-Radar-Ergebnisse herausstellt, die sein eigenes Unternehmen erstellt hat. Und auch der Name von Teammitglied Ulrich Wlecke ist hier zu finden – als Schatzmeister der AfD und Bundestagskandidat.

Osinski findet nichts dabei. "Eine manipulative Absicht ist nicht damit verbunden", betont er. Es gehe vielmehr darum, eine "Gegenöffentlichkeit zu schaffen". Denn das, was die Demoskopen über die Aussichten für die AfD unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde veröffentlichten, decke sich gar nicht mit der Präsenz der AfD in den sozialen Netzwerken und in den Wahlabsichten laut Online-Börsen. So hat Osinski sämtliche Befunde zusammengeführt und für die AfD stabile Werte oberhalb von sieben Prozent ermittelt. Er hat dabei keinerlei schlechtes Gewissen. Er stelle lediglich "Fakten" dar. "Und es ändert nichts an den Fakten, ob ich nun AfD-Mitglied bin oder nicht."

Internet-Experte (und CDU-Bundestagskandidat) Thomas Jarzombek hält das Vorgehen allerdings für mehr als zweifelhaft: "Wer bei Umfragen schummelt, muss schon sehr verzweifelt sein. Ein Beitrag zur Glaubwürdigkeit dieser Partei ist das jedenfalls nicht."

(may-)
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