Guttenbergs verpasste Chance

Guttenbergs verpasste Chance

Die Vorstellung Karl-Theodor zu Guttenbergs, mit dem Interviewbuch einen Schritt der politischen Rehabilitation zu gehen, ist, um ein früheres Wort Guttenbergs zu nutzen, abstrus.

Die Wiedergutmachung ist misslungen. Das Interview ist kein Zeugnis ehrlicher Reue, kein Dokument des Nachdenkens und Sich-Hinterfragens. Es ist eine Rechtfertigungsrede. Die Selbsttäuschung des Freiherrn geht so weit, dass er Autoren, deren Passagen er geklaut hat, vorwirft, selbst nicht sauber gearbeitet zu haben. Wie schwer muss diesem Mann Demut fallen? Warum taucht Guttenberg nicht einfach zwei Jahre ab, verfasst eine neue, seriöse Doktorarbeit und kehrt mit neuem Anspruch zurück?

Maß und Moral hatte Guttenberg stets der Politik empfohlen. Er selbst kennt dies nicht: Vorwürfe gegen die Ex-Kollegen, Attacken gegen die Uni, Selbstbeweihräucherung gepaart mit künstlich wirkender Selbstgeißelung. Guttenbergs Inszenierung als Anti-Establishment-Mann und sein Kokettieren mit einer neuen Partei trägt darüber hinaus sarrazinsche Züge und ist schwer erträglich. Dem politischen Berlin ist zu wünschen, dass bald wieder ein junger, eleganter und aufrichtiger Typ auf der Bühne erscheint, der die Menschen fasziniert, Neugierde auf Politik weckt und Klartext redet, wo Politiker Phrasen dreschen. Karl-Theodor zu Guttenberg ist nicht dieser Mann.

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(RP)
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