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Zuversicht trotz schlechter Umfragewerte: Grüne und SPD rücken näher zusammen

Zuversicht trotz schlechter Umfragewerte : Grüne und SPD rücken näher zusammen

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Grünen-Spitzenfrau Katrin Göring-Eckardt scherzten vor der Presse mit- einander. Trotz schlechter Umfragewerte zeigten sie sich zuversichtlich, nach der Wahl einen Mindestlohn einzuführen.

Die Grünen-Spitzenkandidatin, Katrin Göring-Eckardt, erkundigte sich bei Peer Steinbrück: "Kannst du kochen?" Dieser beteuerte: "Ich koche sehr schlecht." Und da die beiden ja nicht zusammenziehen, sondern miteinander regieren wollen, war Göring-Eckardt mit der Antwort des SPD-Kanzlerkandidaten hochzufrieden. Bekannte er damit doch erneut, dass die alten Zeiten, als Kanzler Gerhard Schröder seine rot-grüne Koalition in Koch und Kellner einteilte, endgültig vorbei sind. Der Umgang werde sich an "mitteleuropäischen Höflichkeitsregeln" orientieren, betonte Steinbrück, der vor zehn Jahren bei den Grünen in NRW selbst einen Ruf wie Donnerhall hatte.

Gestern machte er hingegen mit "KGE", wie Göring-Eckardt bei den Grünen genannt wird, ein paar Lockerungsübungen: Sie bekam nicht weniger Redezeit als er. Zudem scherzten und kokettierten sie miteinander, als sei der Koalitionsvertrag schon unterschrieben.

Als ein Journalist angesichts so viel demonstrierter Gemeinsamkeit von "Herrn Göring-Eckardt" und "Frau Steinbrück" sprach, war die Heiterkeit bei den Spitzenkandidaten noch größer. "Da muss ich erst mit meiner Frau sprechen", witzelte Herr Steinbrück. "Wir müssen erst regieren", konterte Frau Göring-Eckardt.

Offizieller Anlass ihres gemeinsamen Auftritts vor der Bundespressekonferenz: Im Fall eines Wahlsiegs wollen SPD und Grüne schon ab dem 1. Februar 2014 einen gesetzlichen, flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde einführen. Das wollten SPD und Grüne noch einmal sehr deutlich machen, denn auch bei diesem Thema versucht die Kanzlerin, mit ihrer Lohnuntergrenze der Opposition das Wasser abzugraben. Steinbrück argumentierte, die Union wolle einen Flickenteppich beim Mindestlohn. Eine Bäckereifachverkäuferin mit einem im Tarifvertrag festgelegten Mindestlohn unter 8,50 Euro hätte im Unionsmodell "Pech gehabt". Er verwies auch darauf, dass ein Mindestlohn, wie er SPD und Grünen vorschwebe, die Kaufkraft um 19 Milliarden Euro erhöhen würde.

Während Göring-Eckardt bei ihrem Auftritt vor der Hauptstadtpresse ein Wahlkampf-Dauerlächeln zeigte, ließ sich Steinbrück immer mal wieder aus der Reserve locken. Als ein Fragesteller wissen wollte, ob ihr denn der Klartext-Steinbrück von früher oder der weichgespülte von heute lieber sei, meinte sie: "Mir ist der Klartext-Steinbrück von heute sehr lieb." Das war diplomatisch.

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Mit seiner offensiven Verbundenheit machte das rot-grüne Spitzenduo gestern allerdings auch gute Miene zu schlechten Umfragewerten. Die SPD hängt weiterhin je nach Umfrageinstitut zwischen 22 und 26 Prozent, während sich die Grünen im Hoch von 14 bis 16 Prozent sonnen. Damit haben sie zusammen gerade einmal so viel wie die Union alleine. Göring-Eckardt verwies darauf, dass auch bei einigen Landtagswahlen, insbesondere in Niedersachsen, eine rot-grüne Mehrheit für unwahrscheinlich gehalten wurde. Am Ende habe es dann doch gereicht.

Viele gemeinsame Auftritte von SPD und Grünen sind im Wahlkampf nicht mehr zu erwarten. Konkrete Termine konnten Göring-Eckardt und Steinbrück gestern nicht nennen, erklärten aber, man werde gemeinsam auftreten, wenn sich dies ergebe. Bislang gab es vier solcher Termine: Die Parteichefs besuchten sich gegenseitig bei den Parteitagen; Steinbrück war im Dezember mit Spitzenkandidat Jürgen Trittin zum Thema Finanzhilfen und gestern eben mit Göring-Eckardt aufgetreten.

Die Spitzenkandidatin der Grünen vermied es, sich kritisch über den Wahlkampf der SPD zu äußern. Hinter den Kulissen schlagen die Grünen allerdings die Hände über dem Kopf zusammen angesichts der Performance, die die Sozialdemokraten bieten. Grundsätzlich soll die Wahlkampfstrategie bleiben, dass jeder für sich allein kämpft, zu groß wäre sonst die Gefahr, im Doppel weiter zu schrumpfen.

(qua)