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Düsseldorf: Großes Streik-Chaos bleibt aus

Düsseldorf : Großes Streik-Chaos bleibt aus

In NRW rollte trotz Streiks jeder dritte Zug. Der Stau auf den Straßen blieb begrenzt. Innerhalb der Lokführergewerkschaft wächst der Widerstand gegen den Chef Weselsky, der eine Schlichtung ablehnt.

Die Pendler kamen am ersten Tag des Streiks glimpflich davon, obwohl zwei Drittel der Züge in NRW wie auch im übrigen Bundesgebiet ausfielen. Das befürchtete Chaos blieb aus. "Der Ersatzfahrplan ist stabil geblieben", sagte eine Bahn-Sprecherin in Düsseldorf. In NRW waren etwa eine Million Reisende im Regional- und mehrere Zehntausend im Fernverkehr betroffen. Am Morgen summierten sich die Staulängen im Land auf weniger als 300 Kilometer. Ein weitgehender Verzicht auf Tagesbaustellen entlastete die Straßen. "Ein Mosaiksteinchen, das dazu geführt hat, dass das große Chaos ausgeblieben ist", teilte StraßenNRW mit.

Seit gestern früh wird auch der Personenverkehr bestreikt. Die Arbeitsniederlegung soll noch bis Montagmorgen dauern. Die Lokführergewerkschaft GDL streikt für eine fünfprozentige Lohnerhöhung, kürzere Arbeitszeiten und für das Recht, auch bei Zugbegleitern Tarife aushandeln zu dürfen. Der Streik wird die Bahn rund 100 Millionen Euro kosten. Diese Zahl nannte Bahn-Anwalt Thomas Ubber während der Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht Frankfurt. Das Gericht hat vorgeschlagen, den Streik mit einem Vergleich beizulegen. Die Gewerkschaft und der Konzern konnten sich jedoch nicht auf Eckpunkte eines Kompromisses einigen. Das Gericht beriet bis tief in die Nacht, ob der Streik rechtmäßig ist.

Der Ausstand sorgt bundesweit für Unmut, der auch die GDL selbst erfasst hat. Der Widerstand gegen den umstrittenen Vorsitzenden Claus Weselsky wächst. So zählt die Opposition in der Gewerkschaft, die "Initiative für Demokratie und Rechtstaatlichkeit innerhalb der GDL", inzwischen rund 1000 Mitglieder. Ihr Sprecher, der Hamburger Lokführer Volker Siewke, forderte Weselsky zum Rücktritt auf. Auch im Deutschen Beamtenbund, zu dem die GDL gehört, verlor Weselsky an Rückhalt. Politiker, Vertreter anderer Gewerkschaften und Verbraucherorganisationen wie der Fahrgastverband "Pro Bahn" haben Weselsky bislang vergeblich dazu aufgerufen, einen Schlichter zu akzeptieren. "Wenn es mit einem Schlichter nicht geht, dann muss man jetzt eben mit zwei Schlichtern versuchen, den Tarifkonflikt zu lösen", forderte Gerd Aschoff, Sprecher des Fahrgastverbandes "Pro Bahn". Die früheren Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD), Volker Hauff (SPD) oder Karl-Heinz Dähre (CDU) hätten genug Erfahrung. "Aber auch Hamburgs früherer Bürgermeister Klaus von Dohnanyi hätte das nötige Format", sagte Aschoff. Als weiteren möglichen Schlichter brachte er den Chef der Kölner Verkehrsbetriebe, Jürgen Fenske, ins Gespräch.

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Die große Koalition in Berlin plant ein Gesetz zur Tarifunion, das den Kampf zwischen Gewerkschaften wie gerade bei der Bahn befrieden soll. Unionsfraktionsvize Michael Fuchs zeigte sich skeptisch: "Mir fehlt bisher der Glaube, dass das Gesetz zur Tarifeinheit künftige Streiks von Spartengewerkschaften wie den GDL-Streik wirklich verhindern kann", sagte Fuchs. Er forderte, man müsse über "weitere gesetzliche Maßnahmen" nachdenken. "Hierzu gehören striktere Regeln, wenn durch Streiks die öffentliche Daseinsvorsorge erheblich beeinträchtigt wird. Das ist beim GDL-Streik der Fall."

(mar, qua)