London: Großbritannien droht größter Streik seit Thatcher

London: Großbritannien droht größter Streik seit Thatcher

Großbritannien könnte ein heißer Sommer bevorstehen. Heute wollen 750 000 Staatsbedienstete aus Protest gegen die Sparpläne der Regierung von Premier David Cameron ihre Arbeit niederlegen. Laut Gewerkschaften sind die Streiks nur der Beginn einer Kampagne, die es in diesem Ausmaß seit 30 Jahren nicht gegeben hat. Weil Tausende britische Grenzbeamte an Flughäfen und Fährterminals heute streiken, warnen die Behörden vor langen Schlangen bei den Passkontrollen und raten Reisenden sogar davon ab, die Insel zu besuchen.

Die Koalition in London möchte ab 2012 die Rentenbeiträge der Beamten um drei Prozent anheben und als Bemessungsgrundlage der Pensionshöhe nicht das letzte Jahresgehalt, sondern den "durchschnittlichen Lebensverdienst" nehmen. Weil die Menschen älter werden, sollten sie später in den Ruhestand gehen, argumentiert die Regierung, die den Rentenbeginn von 65 auf 66 Jahre heraufsetzen will.

"Sie haben uns den Krieg erklärt. Aber wir werden losschlagen, um unsere Renten zu verteidigen", erklärte der Chef der größten Gewerkschaft Unison, Dave Prentis. Unison hat 1,3 Millionen Mitglieder, die im Juli über einen möglichen Arbeitskampf im Herbst abstimmen werden. Die Protestaktionen würden voraussichtlich im Oktober beginnen. Sollten andere Gewerkschaften mitmachen, könnte der größte britische Streik seit mehr als 80 Jahren das Königreich komplett lahmlegen. Im Mai 1926 traf eine neuntägige Arbeitsniederlegung aus Solidarität mit den Bergarbeitern das Land so hart, dass die Regierung die Armee einsetzte.

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Aus Angst vor den drohenden Protesten erwägt die Koalition in London angeblich eine unpopuläre Verschärfung des Streikrechts.

(RP)
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