Groß-Razzia gegen Rocker am Niederrhein

Groß-Razzia gegen Rocker am Niederrhein

Mönchengladbach Die Polizei will die kriminelle Rockerszene in Nordrhein-Westfalen zerschlagen. Bei einer Großrazzia durchsuchten die Ermittler einen Sex-Club in Willich und ein Clubhaus der Hells Angels in Krefeld. In Düsseldorf, Solingen und Köln stellten die Fahnder Beweismaterial in den Privaträumen führender Mitglieder verschiedener Motorradclubs sicher.

Ziel ist es, drei Männer zu überführen. Sie werden des versuchten Mordes verdächtigt. Bei einer Massenschlägerei in Mönchengladbach waren im Januar zwei Hells Angels durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt worden. Die mutmaßlichen Täter und die Opfer kooperieren allerdings nicht mit der Polizei. Die Mordkommission "Kutte" hofft, durch die Razzia neue Hinweise auf den Tathergang zu erhalten. Es handelt sich bereits um die vierte Durchsuchungsaktion im Zusammenhang mit den Vorfällen in Mönchengladbach.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) erklärte, die Durchsuchungen seien Teil einer konsequenten Strategie gegen kriminelle Rockergruppen. "Wir dulden keine rechtsfreien Räume", sagte Jäger unserer Zeitung. Die Welt der Rocker bestehe aus Bedrohung, Gewalt und Waffen. "Das akzeptieren wir nicht", stellte der Minister klar.

Die Polizei in NRW hat seit 2010 bei mehr als 80 Rocker-Treffen Kontrollen und Razzien durchgeführt. Bei mehr als 6000 Personen- und rund 3400 Fahrzeugüberprüfungen stellten die Beamten Hieb- und Stichwaffen sicher. Bei fast allen Treffen habe es Kontrollen gegeben. "Daran halten wir auch in Zukunft fest", sagte Jäger.

Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, begrüßte die harte Gangart des NRW-Innenministeriums. "Das sind Schwerstkriminelle, deren Clubs bundesweit verboten werden müssen", sagte Rettinghaus. Unionspolitiker im Bund unterstützen diese Forderung: "Bei Rockerclubs, die schon in der Vergangenheit durch Gewalttaten aufgefallen sind, sind Verbote längst überfällig", sagte der Vize-Chef der Unionsfraktion, Günter Krings. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat ein bundesweites Verbotsverfahren gegen die Clubs nicht ausgeschlossen. Bei der nächsten Innenministerkonferenz wolle man sich dem Thema widmen, hieß es im Ministerium.

(RP)
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