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Athen: Griechenlands Pleite rückt näher

Athen : Griechenlands Pleite rückt näher

Die Banken in Griechenland bleiben geschlossen, nachdem die Verhandlungen mit den Geldgebern gescheitert sind. Die Europäische Zentralbank friert die Notkredite ein. An den Börsen droht heute ein "schwarzer Montag".

Die Euro-Zone steht vor dem Bruch, die Pleite Griechenlands rückt näher. Heute werden an den Börsen weltweit Kursstürze erwartet. Beobachter rechnen mit einem "schwarzen Montag", die Börse in Athen bleibt geschlossen. Die griechischen Banken sollen laut Regierungschef Alexis Tsipras heute nicht öffnen. Der griechische Rat für Finanzstabilität empfahl am Abend, dass die Banken sogar sechs Werktage geschlossen bleiben. So soll ein Kollaps der Geldinstitute verhindert werden, zugleich kommen die Griechen nicht mehr an Bargeld.

Am Samstag hatte Tsipras überraschend eine Volksabstimmung über das von den Geldgebern seit langem angemahnte Sparprogramm angekündigt. Am nächsten Sonntag sollen die Griechen entscheiden, ob sie die Reformen mittragen. Diese sind mit dem Angebot der Geldgeber verknüpft, das Hilfsprogramm bis November zu verlängern und aufzustocken. Tsipras empfahl den Bürgern allerdings, mit "nein" zu stimmen. Damit waren die Verhandlungen mit den Geldgebern beendet.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte ihren Druck auf Athen. Sie beschloss gestern, den Umfang der Notkredite nicht weiter zu erhöhen. Der Topf bleibt aber mit 89 Milliarden Euro gefüllt. Sind diese ausgeschöpft, sind die Banken am Ende, da sie von herkömmlichen Wegen der Geldbeschaffung bereits abgeschnitten sind. Seit Samstag bildeten sich lange Schlangen vor den griechischen Banken. Die Bürger versuchten, ihre Guthaben abzuheben, solange die Institute noch Euro-Bestände haben.

Am Abend telefonierten US-Präsident Barack Obama und Kanzlerin Angela Merkel über die Lage. Man sei sich einig, Anstrengungen zu unternehmen, damit Griechenland zu Reformen und Wachstum innerhalb der Eurozone zurückkehren könne, hieß es in US-Kreisen. Finanzminister Gianis Varoufakis schob Merkel die Verantwortung für die Abwendung der Pleite zu: Als Vertreterin des wichtigsten Landes habe sie den Schlüssel in der Hand. "Ich hoffe, sie nutzt ihn."

Merkel hat für heute die Partei- und Fraktionschefs der im Bundestag vertretenen Parteien zu einem Krisentreffen ins Kanzleramt eingeladen. Die Regierungsparteien nahmen das Vorgehen der Griechen mit Fassungslosigkeit und Entsetzen auf. Aus Regierungskreisen verlautete, dass man erleichtert über den Zusammenhalt der übrigen Euro-Zone sei. Langfristig könne die Konsequenz der Euro-Länder die Währungsunion stabilisieren.

Die deutschen Banken sehen sich für einen drohenden Kollaps des griechischen Finanzsystems gewappnet. "Wir sind sehr gut vorbereitet, weil wir uns seit langem auf eine solche Situation eingestellt haben", sagte ein Sprecher der Commerzbank. Die Deutsche Bank teilte mit, dass sie genug Sicherheitsmechanismen habe, um den Kundenservice zu gewährleisten.

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Bis Mittwoch null Uhr Washingtoner Zeit (sechs Uhr deutscher Zeit) muss Griechenland 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) überweisen. Das Geld für den IWF hat Griechenland ebenso wenig wie das zur Bezahlung seiner Staatsdiener und Pensionäre. Denn das Angebot der Geldgeber, das Hilfsprogramm zu verlängern, hatte Tsipras abgelehnt. Der IWF müsste offiziell den Zahlungsausfall feststellen.

Der in Griechenland tätige Ökonom Jens Bastian appellierte an die Geldgeber, die Volksabstimmung abzuwarten. "Das Referendum wird insgesamt akzeptiert, aber viele Menschen wissen noch nicht, was sie wählen werden. Die Menschen wollen ein Ende dieses Dramas, allerdings ohne dass es in einer Tragödie endet", sagte Bastian. Auch Tsipras verteidigte das Referendum: "Ich werde mir nicht von Herrn Schäuble die Erlaubnis für eine Volksabstimmung einholen. Die Würde eines Volkes ist kein Spiel."

(qua)