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Washington/Düsseldorf: Giftgas in Syrien setzt Obama unter Druck

Washington/Düsseldorf : Giftgas in Syrien setzt Obama unter Druck

Hinweise auf C-Waffen-Einsatz durch das Assad-Regime verdichten sich. Doch niemand will eingreifen.

Neue Erkenntnisse der US-Geheimdienste und Medienberichte über den Einsatz des Giftgases Sarin durch die Truppen des syrischen Diktators Baschar al Assad haben US-Präsident Barack Obama in Bedrängnis gebracht. In Washington wurden Rufe laut, endlich militärisch in Syrien einzugreifen. Die "rote Linie" sei jetzt überschritten, sagte der republikanische Senator John McCain. Obama hatte einen Chemiewaffeneinsatz wiederholt als "rote Linie" bezeichnet und Assad mit Konsequenzen gedroht.

Nur, wo ist diese rote Linie genau gezogen? Das Weiße Haus reagierte betont vorsichtig. Es könne mit "unterschiedlichen Graden der Sicherheit" gesagt werden, dass Gift in kleinem Umfang in Syrien eingesetzt worden sei, hieß es. Seither wogt in Washington eine spitzfindige Debatte. Ist mit dem Begriff "Einsatz von Chemiewaffen" ein einzelner Tropfen gemeint oder aber ein größerer oder mehrmaliger Einsatz, fragte die "Washington Post". Außerdem habe Obama nie genau erklärt, welche Konsequenzen ein Einsatz nach sich ziehe, heißt es.

Klar ist: Obama will nichts überstürzen. In einem Brief an McCain erinnerte die US-Regierung an die Gefahren unbestätigter Geheimdienstberichte. Ein Wink mit dem Zaunpfahl: US-Außenminister Colin Powell hatte dem UN-Sicherheitsrat 2003 angebliche Beweise vorgelegt, wonach der Irak Massenvernichtungswaffen besitzt. Damit war der Einmarsch begründet worden. Später stellte sich heraus, dass die Beweise gar keine waren.

Die verheerenden Folgen des Irakkriegs erklären die extreme Abneigung Obamas gegen eine erneute Intervention. Trotzdem bereiten sich die USA offenbar auf alle Eventualitäten vor. So besuchte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel in den vergangenen Tagen die Verbündeten in der Region, und Obama traf sich persönlich mit dem Emir von Katar und Jordaniens König Abdullah – wie es scheint, schmiedet Washington eine Anti-Assad-Allianz.

(RP)