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Nur noch 7,6 Milliarden Mark aus 1999: Gewinn der Bundesbank eingebrochen

Nur noch 7,6 Milliarden Mark aus 1999 : Gewinn der Bundesbank eingebrochen

Frankfurt/Main (AP). Der Gewinn der Deutschen Bundesbank für 1999 hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verringert. Wie Bundesbankpräsident Ernst Welteke (Foto) in Frankfurt am Main nach einer Sitzung des Zentralbankrates mitteilte, überwiesen die Währungshüter am Donnerstag lediglich 3,903 Euro (rund 7,61 Milliarden Mark) an den Bund. Das sind 4,4 Milliarden Euro weniger als im Jahr 1998, in dem die Bundesbank 8,3 Milliarden Euro Gewinn verzeichnet hatte.

Die Bundesbank-Bilanz war nach den Worten Weltekes im vergangenen Jahr erstmals von der Europäischen Zentralbank (EZB) beeinflusst, die am 1. Januar 1999 die alleinige Zuständigkeit für die Geldpolitik der elf Euro-Länder übernommen hatte. Seither setzt sich der an den Bund fließende Gewinn der Bundesbank aus Zinserträgen der ihr verbleibenden Währungsreserven und aus der anteiligen Gewinnabführung der EZB zusammen. Aus diesem Grund war schon vor Monaten damit gerechnet worden, dass die Zahlungen der Bundesbank an den Bund wesentlich geringer ausfallen würden.

Trotz der erheblich reduzierten Überweisung wird Finanzminister Hans Eichel jedoch keine Schwierigkeiten mit der Haushaltsführung haben: Wie in der Vergangenheit kann er die gesetzlich fixierte Höchstsumme von sieben Milliarden Mark für die Bundeskasse verbuchen. Allerdings schrumpft der darüber hinausgehende Gewinn, der nach der Gesetzeslage in den Erblastentilgungsfonds eingezahlt wird, auf 610 Millionen Mark. Welteke zeigte sich jedoch optimistisch, dass der Bundesbankgewinn im nächsten Jahr wieder höher ausfallen wird. "Die Bilanz von 1999 markiert die untere Schwelle. Höhere Zinsen versprechen wieder höhere Gewinne", sagte er.

Wachstum von drei Prozent vorhergesagt

Ein optimistisches Bild zeichnete Welteke von der zu erwartenden wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Aller Voraussicht nach werde das Wachstum im Jahre 2000 auf drei Prozent ansteigen nach lediglich 1,5 Prozent im vergangenen Jahr. Welteke wies darauf hin, das vereinzelt sogar ein Wachstum von mehr als drei Prozent vorhergesagt werde. Als Indikatoren für die Erholung der Konjunktur nannte Welteke den Exportboom, aber auch den höheren privaten Konsum und den Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen. Auch für die kommenden Jahre mit einem befriedigenden Wirtschaftswachstum zu rechnen.

Besorgt äußerte sich der Welteke über die Bewertung des Euros gegenüber dem Dollar. Die Wechselkursschwäche der Europäischen Gemeinschaftswährung sei "mehr als ein Schönheitsfehler". Zwar stecke im Euro ein erhebliches Aufwertungspotenzial, doch sei dies noch nicht zum Tragen gekommen. Welteke verwies auf die Gefahr einer erhöhten Inflationsrate, falls sich der Wechselkurs des Euros nicht bessere. Langfristig werde sich die innere Stabilität des Euroraumes aber positiv auf den Außenwert der Gemeinschaftswährung niederschlagen.

(RPO Archiv)