Gewalt in Deutschland seit 1990

Gewalt in Deutschland seit 1990

Rechtsextremisten zu Tode gekommen sind – weil sie Ausländer, Obdachlose oder Homosexuelle waren oder eine andere politische Überzeugung hatten. Das jüngste Opfer, Saime Genç aus Solingen, war erst vier Jahre alt, als es 1993 im Haus seiner Familie verbrannte.

14. Juni 2000 Thomas Goretzky (35), Yvonne Hachtkemper (34) und Matthias Larisch von Woitowitz (35), Polizisten, werden von dem Neonazi Michael Berger in Dortmund und Waltrop erschossen. Anschließend tötet Berger sich selbst.

24. Juni Klaus-Dieter Gerecke, Obdachloser, wird in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) von einem 21-Jährigen und zwei Frauen aus der rechten Szene totgeprügelt.

9. Juli Jürgen Seifert (52), Obdachloser, wird von fünf Rechtsextremisten in Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) mit Schlägen und Tritten so schwer misshandelt, dass er wenig später stirbt.

24. Juli* Norbert Plath (51), Obdachloser, wird in Ahlbeck (Mecklenburg-Vorpommern) von vier jungen Rechtsextremisten zu Tode geprügelt, weil sie ihn für "asozialen Dreck" halten.

9. September Enver Simsek (38) wird in Schlüchtern (Hessen) offenbar von der Neonazi-Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund" an seinem mobilen Blumenstand angeschossen. Er stirbt zwei Tage später.

13. September* Malte Lerch (45), Obdachloser, wird in Schleswig (Schleswig-Holstein) von zwei Skinheads erschlagen, nachdem er schlecht über die Skinhead-Szene gesprochen hat.

24. November* Eckhardt Rütz (42), Obdachloser, wird in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) vor der Mensa der Universität von drei rechten Skinheads getreten und mit Pfählen zusammengeschlagen, weil "so einer wie Rütz dem deutschen Steuerzahler auf der Tasche liegt". Rütz stirbt an seinen schweren Kopfverletzungen.

2001

25. März Willi Worg (38) wird in Milzau (Sachsen-Anhalt) von fünf Männern, von denen mindestens drei zur rechten Szene gehörten, vor einer Diskothek zusammengeschlagen und getreten. Drei Tage später erliegt er den Verletzungen.

22. April Mohammed Belhadj (31), Asylbewerber, wird nahe Jarmen (Mecklenburg-Vorpommern) von vier Männern mit rassistischer Gesinnung geschlagen, getreten und gezwungen, in einen Kiessee zu gehen. Im Wasser wird ihm ein schwerer Stein an den Kopf geworfen. Belhadj stürzt daraufhin in den See und ertrinkt.

13. Juni Abdurrahim Özüdogru (49) wird in Nürnberg (Bayern) offenbar von der Neonazi-Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund" mit zwei Kopfschüssen in seiner Änderungsschneiderei ermordet.

27. Juni Süleyman Tasköprü (31) wird in Hamburg offenbar von der Neonazi-Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund" mit drei Kopfschüssen im Obst- und Gemüseladen seines Vaters erschossen.

8. August* Klaus-Dieter Harms (61) wird von zwei Männern in seiner Wohnung in Wittenberge (Brandenburg) totgeprügelt. Das Gericht stellt fest, dass die beiden den gehbehinderten Alkoholiker als verachtenswerten Menschen sahen.

9. August Dieter Manzke (61), Obdachloser, wird von fünf jungen Männern in einem leerstehenden Gartenbungalow in Dahlewitz (Brandenburg) erschlagen, da sich die Täter "gestört fühlten" und angesichts seiner Lebensweise "Ordnung schaffen wollten".

17. August Dorit Botts (54), Ladeninhaberin, wird in Fulda (Hessen) in ihrem Military-Shop von einem 19-jährigen Neonazi erstochen. Bei der Tat handelte es sich um ein Aufnahmeritual in die "Deutsche Heidenfront", eine Thüringer Neonazi-Organisation.

29. August Habil Kiliç (38) wird in München (Bayern) offenbar von der Neonazi-Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund" mit zwei Kopfschüssen in seinem Obst- und Gemüseladen erschossen.

2002

4. Mai Kajrat Batesov (24), Aussiedler, wird mit einem Freund in Wittstock (Brandenburg) von mehreren jungen Männern mit Schlägen und Tritten traktiert. Batesov wird ein 18 Kilo schwerer Feldstein auf die Brust geworfen. Am 23. Mai stirbt er. Im Prozess stellt das Gericht eine "diffuse Fremdenfeindlichkeit" bei den Tätern fest.

1. Juni Ronald Masch (29), Dachdecker, wird betrunken von vier Rechtsextremisten nahe Neu Mahlisch (Brandenburg) bedroht. Sie schlagen ihn zusammen, einer sticht etwa vierzigmal in Maschs Niere, Brustkorb und Hals.

13. Juli* Marinus Schöberl (17) wird von drei Rechtsextremisten in einer Wohnung in Potzlow (Brandenburg) und in einem Schweinestall erniedrigt und misshandelt. Nach stundenlanger Quälerei wird er schließlich am Bordstein ermordet. Seine Leiche wird im November in einer Jauchegrube gefunden.

9. August Ahmet Sarlak (19), Lehrling, wird auf einem Volksfest in Sulzbach (Saarland) von einem Rechtsextremisten mit fünf Messerstichen in Bauch und Brust verletzt, nachdem er ihn versehentlich mit einer Zigarettenkippe getroffen hat. Sarlak stirbt einen Tag später.

2003

25. Januar Hartmut Balzke (48) begleitet seinen Sohn zu einer Punk-Party in Erfurt (Thüringen). Als er mit einer Gruppe Punker auf der Straße steht, werden sie von einer Gruppe Rechtsextremer angegriffen. Balzke stirbt am 27. Januar.

21. März Andreas Oertel (40) wird in Naumburg (Sachsen-Anhalt) Opfer einer Gruppe zweier Erwachsener (26 und 29) und zweier Jugendlicher (15 und 17), die ihn wegen seiner geistigen Behinderung und homosexuellen Orientierung misshandeln und schlagen. Oertel stirbt an den Folgen der Schläge und Tritte gegen seinen Kopf.

29. März Enrico Schreiber (25), Punker, wird in einer Wohnung einer Plattenbausiedlung in Frankfurt/Oder (Brandenburg) von drei Männern so schwer misshandelt, dass er im Krankenhaus stirbt.

10. Juli Gerhard Fischhöder (49) wird in einer Obdachlosenunterkunft in Scharnebeck (Niedersachsen) totgetreten.

7. Oktober Hartmut Nickel (61) wird in Overath von dem Neonazi Thomas Adolf erschossen. Zuvor hat Adolf Nickels Ehefrau Mechthild Bucksteeg (53) erschossen, dann tötet er Nickels Tochter Alja durch Kopfschüsse aus nächster Nähe. Vor Gericht beschreibt der Täter sich selbst als "engagiertes Mitglied der Nazi-Szene".

20. Dezember Viktor Filimonov (15), Aleksander Schleicher (17) und Waldemar Ickert (16), Aussiedler, werden in Heidenheim (Baden-Württemberg) von einem 17-jährigen, der Skinhead-Szene zuzurechnenden Jugendlichen erstochen. Vor einer Diskothek kommt es zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf die drei Jugendlichen tödlich verletzt werden.

2004

21. Januar Oleg Valgar (27), Aussiedler, wird in Gera (Thüringen) von drei der Skinhead-Szene zuzurechnenden Jugendlichen mit Schlägen, Tritten und Messerstichen so traktiert, dass er stirbt.

30. Januar Martin Görges (46), wohnungslos, wird Opfer zweier junger Neonazis in Burg (Sachsen-Anhalt). Die beiden Täter (16 und 22) schlagen ihr Opfer vor einer Disco zusammen, nachdem sie erfahren haben, dass er wegen Kindesmissbrauch eine Haftstrafe abgesessen hat. Anschließend töten die beiden Görges durch Fußtritte auf seinen Hinterkopf auf einem Bordstein.

25. Februar Yunus Turgut (25) wird in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) offenbar von der Neonazi-Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund" mit einem Kopfschuss in einem Imbissstand ermordet.

2005

28. März Thomas Schulz (32) gerät in einer Dortmunder U-Bahn-Station in Streit mit einem 17-jährigen Neonazi und dessen 16-jähriger Freundin. Der Neonazi zieht ein Messer und sticht auf Schulz ein. Dieser stirbt noch am selben Abend im Krankenhaus.

9. Juni Ismail Yasar (50) wird in Nürnberg (Bayern) offenbar von der Neonazi-Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund" mit fünf gezielten Schüssen in seinem Dönerstand ermordet.

15. Juni Theodoros Boulgarides (41) wird in München (Bayern) offenbar von der Neonazi-Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund" in seinem Schlüsselladen mit einem gezielten Kopfschuss ermordet.

26. November Tim Maier (20) wird in Bad Buchau (Baden-Württemberg) Opfer eines Neonazis. Der Täter, ein ehemaliges NPD-Mitglied, sticht mit einem Messer während eines Handgemenges auf sein Opfer ein, nachdem er zuvor mit einem weiteren Neonazi Maier und dessen Begleiter rassistisch beschimpft hat. In der Wohnung des 24-jährigen Täters findet die Polizei unter anderem Hakenkreuzfahnen.

2006

6. Mai Andreas Pietrzak (41), Obdachloser, wird Opfer eines 19-jährigen Neonazis in Plattling (Bayern). Zunächst trinkt der Täter mit seinem Opfer, schlägt aber dann mit einem Holzpflock auf ihn ein und tritt ihn, bis Pietrzak bewusstlos ist. Dann raubte er ihn aus und zündet Pietrzak mit Spiritus an.

4. April Mehmet Kubasik (39) wird in Dortmund offenbar von der Neonazi-Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund" mit mehreren Schüssen in seinem Kiosk niedergestreckt und stirbt.

6. April Halit Yozgat (21) wird in Kassel (Hessen) offenbar von der Neonazi-Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund" in seinem Internet-Café durch zwei gezielte Kopfschüsse ermordet.

2007

25. April Michèle Kiesewetter (22), Polizistin, wird in Heilbronn (Baden-Württemberg) offenbar von der Neonazi-Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund" mit einem Kopfschuss in ihrem Streifenwagen ermordet. Ihr zwei Jahre älterer Kollege wird schwer verletzt.

14. Juli M. S. (17) wird in Brinjahe (Schleswig-Holstein) von einem 23-jährigen Täter mit einer Eisenstange erschlagen. S., der Kontakte zur rechten Szene hatte, ist auf einer Feier vom Täter, einem ehemaligen NPD-Mitglied und Bundeswehrsoldaten, bereits mehrfach geschlagen worden. Daraufhin erstattet S. Anzeige gegen Unbekannt. Auf dem Heimweg trifft er erneut auf den Täter, der ihn als Spitzel der Polizei beschimpft und auf ihn einschlägt.

2008

26. April Peter Siebert (40) wird von einem 21-jährigen Neonazi in Memmingen (Bayern) mit einem Bajonett erstochen. Zuvor hat sich Siebert mehrmals über die rechtsextreme Musik seines späteren Mörders beschwert. In der Tatnacht sind beide alkoholisiert und haben erneut Streit über die zu laute Musik und die rechte Gesinnung des Mörders.

22. Juli* Bernd Köhler (55) wird in Templin (Brandenburg) von zwei Rechtsextremen massiv misshandelt, gewürgt, schließlich getötet. In der Gerichtsverhandlung hält der Richter fest, dass das neonazistische Menschenbild des Täters bei der Auswahl des als "asozial" angesehenen Opfers entscheidend war.

23. Juli Karl-Heinz Teichmann (59), Obdachloser, wird von einem 18-jährigen Neonazi in Leipzig mit Schlägen und Tritten misshandelt. Er erliegt zwei Wochen später seinen schweren Verletzungen. Der betrunkene Täter hatte eine Mahnwache unter dem Motto "Todesstrafe für Kinderschänder" besucht und war auf dem Weg nach Hause, als er auf sein Opfer stieß.

1. August Hans-Joachim Sbrzesny (50) wird vor dem Hauptbahnhof in Dessau (Sachsen-Anhalt), wo er auf einer Parkbank übernachtet, von zwei der rechtsextremen Szene nahestehenden Männern getreten und geschlagen. Außerdem prügelt einer der beiden mit einem fünf Kilogramm schweren Metall-Mülleimer so lange mit voller Wucht auf Kopf und Oberkörper des Opfers ein, bis die Täter von dessen Tod überzeugt sind. Vor Gericht zeigen beide ein "Gefühl der Überlegenheit" über Sbrzesny, der in ihren Augen ein "Penner" und "Asozialer" war, so der Oberstaatsanwalt.

16. August Rick Langenstein (20), Kunststudent, verweigert nahe einer Diskothek in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) dem gleichaltrigen, wegen Körperverletzung und Volksverhetzung vorbestraften Neonazi Bastian O. eine Zigarette. Dieser schlägt daraufhin sein Opfer zusammen. Langenstein erstickt an einer nahegelegenen Bushaltestelle an seinem eigenen Blut.

2009

1. Juli* Die im dritten Monat schwangere ägyptische Handballspielerin Marwa el Sherbiny (31) wird während einer Strafverhandlung im Landgericht Dresden (Sachsen), zu der sie als Zeugin geladen ist, von dem Angeklagten Alex W. aus Ausländerhass erstochen.

(RP)
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