Im Beruf, bei Behörden und im ÖPNV Menschen mit Behinderung fordern Barriereabbau

Bonn · Am 5. Mai ist Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Zu diesem Anlass wurden Betroffene zu den größten Herausforderungen im Alltag befragt – die fangen oft schon beim Zwischenmenschlichen an.

 Vielen Menschen mit Behinderung fehlt es auch im Beruf an Barrierefreiheit – oft fehlen etwa technische Hilfsmittel.

Vielen Menschen mit Behinderung fehlt es auch im Beruf an Barrierefreiheit – oft fehlen etwa technische Hilfsmittel.

Foto: dpa/Stefan Puchner

Menschen mit Behinderung vermissen im Alltag oft Verständnis für ihre besondere Situation. In einer Umfrage der Aktion Mensch bemängeln 83 Prozent aller Befragten das fehlende Verständnis in der Gesellschaft dafür, welchen zusätzlichen Belastungen Menschen mit Schwerbehinderung und ihre pflegenden Angehörigen ausgesetzt seien, wie die private Förderorganisation in Bonn mitteilte.

Die Ergebnisse der Studie wurden anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von behinderten Menschen am 5. Mai präsentiert. Mehr als 1.000 Menschen mit einer Schwerbehinderung wurden dafür nach ihren größten Herausforderungen im Alltag befragt.

Die meisten Schwierigkeiten gaben die Befragten im Umgang mit Ämtern und Behörden an. Auf Platz zwei und drei folgten die Bereiche Beruf und Mobilität. „Barrierefreiheit wird oft mit Rampen, Aufzügen oder barrierefreien Eingängen gleichgesetzt“, sagte die Sprecherin der Aktion Mensch, Christina Marx. „Doch es sind längst nicht nur sichtbare Barrieren, die Menschen mit Behinderung das Leben schwermachen. Oft fangen die Probleme bereits im zwischenmenschlichen Umgang oder bei bürokratischen Hürden an.“

So zählte für eine Mehrheit der Befragten der Umgang mit Ämtern und Behörden zu den größten Herausforderungen im Alltag. Für mehr als die Hälfte (58 Prozent) fehlte es vor allem an Aufklärung und Informationen zu den eigenen Ansprüchen und Rechten. Zudem stellten umfangreiche Anträge und bürokratischer Aufwand (56 Prozent) Menschen mit Behinderung vor Probleme, hieß es.

Nach wie vor fehlt es den Angaben zufolge auch an der Barrierefreiheit im Beruf. Auf beruflicher Ebene bemängelte fast die Hälfte (48 Prozent) der Befragten eine schlechte Verfügbarkeit von technischen Hilfsmitteln, genauso viele monierten unzureichende Barrierefreiheit in öffentlichen Verkehrsmitteln. Gut die Hälfte (51 Prozent) der Befragten befürchtet zudem, dass sich die Exklusion von Menschen mit schweren, mehrfachen und kognitiven Behinderungen aufgrund des vorherrschenden Leistungsgedankens in der Gesellschaft in Zukunft verstärken wird.

Zuletzt hatte der mutmaßliche Mord an vier Menschen mit Behinderung in einem Wohnheim in Potsdam eine Debatte um strukturellen Ableismus ausgelöst.

(bora/epd)
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