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Individualismus: Menschen nicht in Normen zwängen

Kolumne: Gesellschaftskunde : Befreiung von der Norm

Normen sind wichtig, damit das menschliche Zusammenleben funktioniert. Individualisten gelten nach dieser Maxime oftmals als Querulanten. Doch die Gesellschaft braucht auch sie, um zu überleben.

Es geht früh los mit den Erwartungen an den Menschen. Schon über die Entwicklungsstufen von Kleinkindern wissen nicht nur Fachleute heute Bescheid. Und wenn das Kind im erwarteten Zeitraum einfach nicht krabbeln, gehen, sprechen will, beginnen die Sorgen. Natürlich kann das gravierende Ursachen haben, aber oft zeigt sich darin nur eine simple Tatsache, die eine Gesellschaft doch vor Herausforderungen stellt: die Unterschiedlichkeit von Menschen.

Normen wie die Entwicklungsstufen von Kindern sind nichts Schlechtes. Sie helfen, mit der Komplexität unseres Lebens fertigzuwerden. Doch in Normen zu denken, verleitet dazu, Abweichungen als etwas Negatives anzusehen. Denn Normen sind oft keine wertneutralen Erkennungsraster, sondern befrachtete Erwartungshaltungen. Und wer davon abweicht, enttäuscht.

Das geschieht nicht nur im Umgang miteinander, sondern oft noch unerbittlicher in uns selbst. Der Einzelne hat ja Vorstellungen davon, was man erreichen sollte, wie sehr man sich dafür anstrengen sollte, was Erfolg bedeutet. Wenn sich das Leben dann nicht in dieses Muster fügen will, kann das zu inneren Kämpfen führen. Und manchmal kommt dann auch noch Druck von außen hinzu.

„Unser Herrgott hat einen großen Tiergarten“ – dieser Spruch, der wohl aus Berlin stammt, mahnt auf hübsche Art zu Gelassenheit. Er formuliert die Einsicht, dass Menschen höchst unterschiedlich sind und die Welt womöglich anders sehen als man selbst. Darüber muss man nicht gleich urteilen. Und genauso sollte man für sich selbst den Freiraum verteidigen, anders zu sein als die Norm. Denn es braucht diesen Freiraum, um das zu tun, was am Ende auch für die Gesellschaft wichtig ist: die eigenen Fähigkeiten zu entfalten.

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