Gerhard Schröder soll als Kanzler von NSA abgehört worden sein

Düsseldorf : Auch Schröder soll als Kanzler von NSA abgehört worden sein

Der US-Geheimdienst NSA hatte auch den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Visier. Darüber berichtete gestern Abend die "Tagesschau".

Schröder sei spätestens 2002 unter der Nummer 388 in die "National Sigint Requirement List" aufgenommen worden, in der festgelegt wird, welche Personen und Institutionen überwacht werden. Nach Angaben aus US-Regierungskreisen sowie von NSA-Insidern seien Schröders Konfrontationskurs gegen die USA bei der Vorbereitung des Irak-Kriegs und die Sorge vor einem Bruch in der Nato der Grund gewesen.

Schröder erklärte dazu auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung": "Damals wäre ich nicht auf die Idee gekommen, von amerikanischen Diensten abgehört zu werden; jetzt überrascht mich das nicht mehr." Er habe sich vor Bekanntwerden der NSA-Affäre das massenhafte Ausspähen nicht vorstellen können.

Die Deutung der amerikanischen und der deutschen Quellen wird auch durch ein Dokument aus dem Bestand des Whistleblowers Edward Snowden gestützt. Das Papier nennt das Jahr 2002 als Beginn der Lauschaktion und den Namen der Kanzlerin Angela Merkel. Bislang war es so interpretiert worden, dass ein von der Kanzlerin genutztes Handy vor zwölf Jahren erstmals ausgespäht worden sei. Damals war Merkel noch CDU-Vorsitzende.

Die "Süddeutsche" spekuliert nun, das Abhörprogramm habe nicht der Person, sondern der Funktion gegolten. Also sei Merkel erst seit ihrem Amtsantritt 2005 abgehört worden.

(RP)