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Sydney: Geiseldrama in Sydney endet blutig

Sydney : Geiseldrama in Sydney endet blutig

Schwerbewaffnete Polizisten stürmten das Café, in dem ein Mann mehrere Geiseln genommen hatte. Die Beamten identifizierten den Täter als radikalen Iraner. Er und zwei weitere Personen kamen ums Leben.

Nach mehr als 16 Stunden hat die Polizei in der australischen Metropole Sydney eine Geiselnahme mit möglicherweise islamistischem Hintergrund in einem Café beendet. Sicherheitskräfte stürmten das Lokal in der Nacht zu Dienstag (Ortszeit), es waren Explosionen und Schüsse zu hören. Menschen wurden auf Tragen aus dem Haus gebracht. Kurz vor drei Uhr am Morgen teilte die Polizei über den Kurznachrichtendienst Twitter mit: "Sydney-Geiselnahme ist beendet." Die Beamten verhandelten nach eigenen Angaben mit dem Geiselnehmer. Der Täter wurde bei der Erstürmung getötet. Zwei weitere Menschen kamen ums Leben. Vier Personen wurden verletzt, darunter ein Polizist.

Der bewaffnete Mann war am Montagmorgen um kurz vor zehn Uhr Ortszeit in das "Lindt Chocolat Café" am Martin Place in der Innenstadt gestürmt. Wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt der Geiselnahme dort aufhielten, war unklar. Nach Angaben der Vize-Polizeichefin Catherine Burn waren es weniger als 30. Fernsehsender filmten den Täter am Morgen durch ein Fenster des Cafés. Mehrere Geiseln wurden von dem Täter gezwungen, eine schwarze Fahne an die Scheibe zu halten. Darauf standen die Worte der sogenannten Schahada ("Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet"). Die Fahne wird auch von Extremisten wie der Terrormiliz "Islamischer Staat" benutzt.

Bei dem Geiselnehmer handelt es sich der Polizei zufolge um den bekannten Islamisten Man Haron Monis (50) aus dem Iran. Der Mann genießt in Australien Asyl. Er sei wegen sexueller Übergriffe in mehr als 40 Fällen sowie im Zusammenhang mit dem Tod seiner Ex-Frau wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, berichteten Medien übereinstimmend. "Eins ist damit klar: Dies ist ein Einzeltäter", sagte Anwalt Manny Conditsis, der den Iraner 2013 verteidigt hatte. Er sei gegen Kaution auf freiem Fuß gewesen. "Er hat wahrscheinlich das Gefühl, dass er nichts zu verlieren hat", sagte der Anwalt.

Der Geiselnehmer war im vergangenen Jahr zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden, nachdem er Hassbriefe an die Angehörigen gefallener australischer Soldaten geschrieben hatte, wie die Zeitung "The Age" berichtete. Den Medien zufolge protestierte er häufiger öffentlich gegen seine Behandlung in Australien oder gegen die amerikanische Politik. Dabei war er mehrfach von Fernsehsendern gefilmt worden. Der selbst ernannte Prediger betrieb in Sydney als Heiler eine Art Praxis und empfing dort Kunden. Dort sollen die sexuellen Übergriffe stattgefunden haben.

Seine genauen Motive für die Tat waren nach Angaben der Polizei unklar. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge forderte der Geiselnehmer mehrfach, den australischen Regierungschef Tony Abbott zu sprechen.

Fünf der Geiseln hatten noch am Tage aus dem Café im Geschäftsviertel entkommen können. Fotos zeigten eine Angestellte mit Schürze, die mit Panik im Gesicht auf Polizisten in schwerer Montur zurannte. Ob der Geiselnehmer seine Opfer freiließ oder ob sie flüchten konnten, sagte die Polizei nicht.

Die Beamten riegelten den Tatort weiträumig ab, überall gingen schwerbewaffnete Einsatzkräfte in kugelsicheren Westen in Stellung. Das Gebiet am Martin Place, einem historischen Platz im Geschäftsviertel von Sydney, wurde weiträumig abgesperrt. In der Umgebung arbeiten Tausende Menschen. In unmittelbarer Nähe liegen mehrere Bankzentralen, das Büro des Ministerpräsidenten von New South Wales und das US-Konsulat. Als Vorsichtsmaßnahme wurde auch das berühmte Opernhaus der Stadt geräumt.

In Australien beginnt gerade der Sommer. Es ist Hochsaison in Sydney. In der Stadt dürften Zehntausende Touristen sein.

Australien steht seit September unter erhöhtem Terroralarm. Es gilt Alarmstufe drei der vierstufigen Skala, was bedeutet: "Terroranschlag wahrscheinlich". Bei einer Großrazzia hatte die Polizei im September nach eigenen Angaben einen Anschlag auf australischem Boden vereitelt, bei dem ein Passant auf offener Straße entführt und enthauptet werden sollte.

(RP)