Frauensache Gegen die Abhängigkeit von Männer-Karrieren

Oft ist es erst männliches Versagen oder männliches Wohlwollen, das Frauen den Schritt in die erste Reihe ermöglicht. Eine Quote könnte helfen, dies zu vermeiden.

Sind Frauen wirklich so hilflose Wesen, dass sie eine staatlich verordnete Zwangsverweiblichung in den Chefetagen brauchen? Mädchen sind doch mittlerweile bei den Abiturienten in der Überzahl, an den Universitäten haben junge Frauen in Fächern wie Medizin, Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre die Männer überholt oder liegen mit ihnen gleichauf, Konzernimperien wie Springer, Bertelsmann und BMW sind in Frauenhand, und Deutschlands Politik wird nicht nur auf Bundesebene von einer Kanzlerin geführt, sondern auch die Länderfürsten weichen zunehmend den Landesmüttern. Warum also eine gesetzliche Frauenquote? Was auf den ersten Blick aussieht wie eine Feminisierung der Macht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Schimäre einer testosteronärmeren Republik. Denn viele Frauen haben ihre Position einem Mann zu verdanken: Durch die Heirat mit einem mächtigen Mann wie Friede Springer, Liz Mohn oder Johanna Quandt; durch den Vorschlag eines mächtigen Mannes wie Annegret Kramp-Karrenbauer oder Malu Dreyer, die von ihren Amtsvorgängern Peter Müller und Kurt Beck für das Ministerpräsidentenamt nominiert wurden; durch das Fehlverhalten eines mächtigen Mannes wie Christine Lieberknecht, die allein wegen des Skiunfall-Dramas von Dieter Althaus Thüringens Landesmutter wurde. Selbst Angela Merkel konnte nur CDU-Vorsitzende werden, weil Kohls Kronprinz Wolfgang Schäuble in eine Parteispendenaffäre verstrickt war. Natürlich ist es eine positive Entwicklung, dass überhaupt genügend qualifizierte Frauen in der zweiten Reihe bereitstehen, um Spitzenpositionen zu übernehmen. Weniger positiv ist aber, dass sie meist in Co-Abhängigkeit von Männerkarrieren stehen, also erst männliches Wohlwollen oder männliches Versagen ihnen einen Platz ganz oben ermöglichen. Allein um diese Abhängigkeit aufzulösen, ist eine gesetzliche Quote nötig. Zudem kann nur eine Quote erreichen, dass Karriere und Kind tatsächlich lebbar werden. Deutlich mehr Frauen in Führungspositionen würden auch die Organisation der Arbeitswelt deutlich verändern. Ganztagsbetreuung, Betriebskitas, Teilzeitmodelle – all das würde konsequenter umgesetzt werden müssen als bisher. In den Chefetagen wäre die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dann nicht mehr ein betriebswirtschaftlich-theoretisches Problem, sondern praktizierte Wirklichkeit. Davon würden Männer ebenfalls profitieren: Denn auch sie wollen nicht nur Familienernährer, sondern auch Familienvater sein.

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(RP)