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Geburtshilfe: Versicherungen weisen Hebammen ab

Geburtshäuser stehen vor dem Aus : Versicherungen weisen Hebammen ab

Der Deutsche Hebammenverband hat 151 Versicherer angefragt, doch allen ist das Risiko zu groß. Hebammen und Geburtshäuser stehen vor dem Aus. Werdende Eltern machen sich Sorgen um die Betreuung rund um die Geburt.

Für Susanna Krauhausen war bei ihrer ersten Schwangerschaft klar, dass sie ihr Kind nicht in einer Klinik zur Welt bringen wollte. Für die Geburt ihrer heute drei Jahre alten Tochter Jana wählte sie das Geburtshaus Düsseldorf aus, bei ihrer zweiten Schwangerschaft mit Sohn Lenni entschied sich die Krankenschwester für eine Hausgeburt mit denselben Geburtshelferinnen.

"Meine Hebammen haben mir große Sicherheit vermittelt, mich bei allen Fragen und Problemen unterstützt." Deshalb bereitet es der 37-jährigen Düsseldorferin große Sorge, dass die Existenz freiberuflicher Hebammen nun akut gefährdet ist. "Hebammen stehen für mich an erster Stelle, sie sind für Eltern unverzichtbar."

Viele werdende Eltern bangen um die Betreuung durch Hebammen. Bereits jetzt sind die Kalender der freiberuflichen Geburtshelferinnen in Düsseldorf gut gefüllt. "Über mangelnde Arbeit können wir uns nicht beschweren", sagt Isabelle Rosa-Bian. Sie hilft Kindern im Geburtshaus Düsseldorf oder bei den werdenden Eltern zu Hause auf die Welt. Im Düsseldorfer Geburtshaus werden pro Jahr rund 150 Familien, die ihr Kind außerhalb einer Klinik zur Welt bringen möchten, bei der Geburt betreut. 2000 Frauen nehmen an den Kursen teil. Doch die 30 Mitarbeiterinnen könnten ihren Arbeitsplatz verlieren, denn die rechtliche Absicherung der Hebammen ist ab Sommer 2015 nicht mehr vorhanden — und damit ist das Geburtshaus von der Schließung bedroht. Grund ist der Ausstieg der Nürnberger Versicherung zum 1. Juli 2015 aus den beiden letzten verbliebenen Versicherungskonsortien für freiberufliche Hebammen.

Das Resultat des Rückzuges der Versicherer: Drohende Arbeitslosigkeit für freiberufliche Geburtsbetreuerinnen. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) habe 151 Versicherer angefragt, jedoch sei keiner bereit gewesen, mit den Hebammen Verträge abzuschließen, erklärte Sprecherin Nina Martin. Obwohl jede freiberufliche Geburtshelferin aktuell rund 5200 Euro Haftpflichtversicherung pro Jahr zahlt, reicht das offenbar nicht aus, um Forderungen zu decken, wenn bei einer Geburt etwas schief geht. Sechs Millionen Euro müssen die Versicherer pro Schadensfall garantieren.

Zum 1. Juli 2014 soll sich die Prämie erneut um zehn bis 20 Prozent erhöhen. "Das Risiko für die Versicherer ist einfach zu hoch", meint Martin. Nun sei der Gesetzgeber gefragt, um das System neu zu strukturieren. Entweder müsse die Haftungssumme gedeckelt oder aber ein staatlich finanzierter Haftungsfonds etabliert werden.

Nicht nur in Düsseldorf, auch in Viersen betrachtet man die Situation mit Sorge. "Wenn keine Lösung gefunden werden sollte, wäre das eine Katastrophe", sagt Sylvia Hönig, Leiterin des Geburtshauses Fidelis. Die fünf Hebammen betreuen 40 Geburten im Jahr. Ab Mitte kommenden Jahres könnten werdende Mütter nicht mehr frei wählen, wo und wie sie ihr Kind auf die Welt bringen. Denn das Ende der freiberuflichen Hebammen wäre gleichzeitig das Ende von Hausgeburten, Geburtshäusern und persönlicher, individueller Geburtsbegleitung.

Auch beim Team der Hebammenpraxis "Bauchgeflüster" in Kleve sitzt der Schock tief. "Uns bleibt dann nur noch der Weg zum Amt", sagt Corinna Kottnik (39), eine der beiden Leiterinnen. Alternativen gibt es keine. Zwar wäre die Festanstellung in einem Krankenhaus eine mögliche Lösung, "doch das ist den Einrichtungen zu teuer", sagt Kollegin Christina Trungadi.

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(RP)