Bundespräsident Gauck im Vatikan: Gauck länger als geplant beim Papst

Bundespräsident Gauck im Vatikan : Gauck länger als geplant beim Papst

Er sei vor allem als Christ gekommen, betonte der Bundespräsident nach der Audienz.

Die Begrüßung zwischen den beiden Staatsoberhäuptern Papst Benedikt XVI. und Bundespräsident Joachim Gauck fällt fast familiär aus. Auf einen Stock gestützt kommt der Papst im Kleinen Thronsaal des Vatikan auf den Bundespräsidenten zu und heißt ihn willkommen. Gauck antwortet: "Es ist mir eine große Freude, ich komme als Bundespräsident, der seinen Landsmann grüßt, vor allem aber als Mensch und Christ." Anschließend setzen sich der Papst und der Pastor, als der Gauck früher in der DDR arbeitete, an den schweren dunklen Holztisch in der Privatbibliothek.

Die Begegnung wird eine Viertelstunde länger dauern als geplant, insgesamt 45 Minuten. Eine verlängerte Privataudienz sei sehr ungewöhnlich, sagen Kenner des Vatikans anschließend.

Am Nikolaustag herrscht im Vatikan eine besondere Stimmung: Auf dem Petersplatz ist der Weihnachtsbaum aufgestellt worden. Und zum Frühstück nach der Messe ist der Tisch mit Tannenzweigen, Lebkuchen und Misteln gedeckt. Gauck beginnt das Gespräch mit der Schilderung, wie er Anfang der 90er Jahre die Sixtinische Kapelle besucht hat und welch bewegender Moment dies für ihn war, für ihn, den Pastor aus dem Osten, der damals erst seit wenigen Jahren frei reisen konnte. Immer wieder kommt Gauck bei dieser Reise auf das Thema zurück, dass die Kraft des Glaubens sich besonders dort entfaltet, wo die Menschen unterdrückt leben. Aus diesem Grund ist ihm auch das Innehalten an der Grabstätte von Johannes Paul II. wichtig. Dieser Papst, der Vorgänger von Benedikt XVI., hat mit seiner Verbindung zur polnischen Gewerkschaft Solidarnosc den friedlichen Umsturz im Osten mit in Gang gesetzt.

"Es war meine Absicht, hier zu stehen und ihm auch im Gebet nahe zu sein", sagt Joachim Gauck während des Rundgangs im Petersdom. Viele Menschen in Deutschland habe es sehr bewegt, dass Johannes Paul II. einen Teil seiner Kraft für die politische Bewegung investiert habe.

Gauck ist diese Reise wichtig, nicht nur, weil nach 500 Jahren wieder ein Deutscher den Heiligen Stuhl besetzt. Vielmehr ist es auch eines seiner vielen Zeichen an die Katholiken in Deutschland, dass er die Präsenz des katholischen Glaubens und auch des politischen Katholizismus in der Gesellschaft wünscht. Auch wenn Deutschland mit Bundeskanzlerin Angela Merkel von einer protestantischen Pfarrerstochter regiert wird und der oberste Repräsentant selbst evangelischer Theologe ist.

"Dieser Bundespräsident ist evangelisch, aber er ist den Katholiken zugewandt", betont Gauck am Rande der Reise. Diese Reise, die Gauck heute noch nach Kroatien führt, unternimmt der Bundespräsident ohne seine Lebensgefährtin Daniela Schadt. Spekulationen, der Grund dafür sei, dass Gauck und Schadt ohne Trauschein zusammenleben, wurden nicht bestätigt. Vielmehr sei dies von vornherein so entschieden worden, hieß es.

Die Begegnung mit dem Papst beschreibt der Bundespräsident als "sehr offen" und "sehr freundschaftlich". Es habe ein "herzliches Einverständnis" darüber geherrscht, dass die gemeinsame Idee von Europa bestehen bleiben müsse. Der Papst wollte von Gauck wissen, wie Deutschland als starke Wirtschaftsnation in der europäischen Krise agiert. Der Bundespräsident versichert, es gebe keinen Zweifel daran, dass die Bundesregierung dem europäischen Gedanken folge.

Er habe einen "hellwachen" Heiligen Vater erlebt, sagte Gauck. Der Papst begegnet dem Protestanten "konzise und nicht-triumphalistisch", wie Gauck es bei seinem Statement auf dem Petersplatz spontan formuliert. Wenn zwei Christenmenschen sich begegnen, gehe es nicht nur um die Welt, sondern auch um Gott, sagt Joachim Gauck. Themen waren auch der Zuspruch zum christlichen Glauben in der Gesellschaft und die katholische Laienbewegung.

Ob und wie viel er mit dem Papst über die Ökumene und Gemeinsamkeiten der beiden christlichen Kirchen mit Blick auf das Lutherjahr 2017 gesprochen hat, dazu äußerte sich Gauck nicht.

Beim Rundgang im Petersdom stellt Gauck zumindest eine kleine Verbindung zu Luther her. Er berührt den Fuß der Petrus-Statue. Diese Geste vollzog auch Luther 1510 bei seinem Rombesuch. Des Weiteren achtet Gauck darauf, sich als weltliches und bürgernahes Staatsoberhaupt zu zeigen. Als er im Petersdom über die Stelle schreitet, an der Karl der Große gekrönt wurde, macht ein Vatikan-Bewohner die launige Bemerkung, dass dies ein guter Platz sei für einen Präsidenten. Gauck antwortet prompt: "Ich bin Bürgerpräsident."

(qua)
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