Düsseldorf: Gabriel, Sarrazin und bürgerliche Brandstifter

Düsseldorf: Gabriel, Sarrazin und bürgerliche Brandstifter

Knapp eine Woche nach den Attentaten von Norwegen mochte der stets wortflinke SPD-Chef Sigmar Gabriel der Versuchung nicht widerstehen, eine geistige Verbindung zwischen islamkritischen Passagen bei Parteifreund/-feind Thilo Sarrazin (SPD) und dem Osloer Massenmord herzustellen. Wörtlich sagte Gabriel, was Sarrazin kalt ließ, aber zwei Autorinnen wütend machte: "In einer Gesellschaft, in der der Anti-Islamismus und die Abgrenzung von anderen wieder hoffähig werden, in der das Bürgertum Herrn Sarrazin applaudiert, da gibt es natürlich auch an den Rändern der Gesellschaft Verrückte, die sich letztlich legitimiert fühlen, härtere Maßnahmen anzuwenden." Attentäter wie Anders Behring Breivik hätten dann den Eindruck, der schweigenden Mehrheit zum Durchbruch zu verhelfen.

Der von Gabriel attackierte frühere Berliner SPD-Finanzsenator und ehemalige Bundesbank-Vorstand Sarrazin konterte kühl mit einem Hinweis auf die alte Gegnerschaft zwischen ihm und seinem Parteichef, der den Autor des Bestsellers "Deutschland schafft sich ab" aus der SPD ausschließen lassen wollte, ohne Erfolg zu haben: "Sigmar Gabriel kann seine peinliche Niederlage vor dem Parteigericht offenbar nicht verwinden. Einen weiteren Kommentar habe ich dazu nicht."

Scharfzüngiger reagierten die Autorinnen Necla Kelek und Monika Maron auf Versuche wie denjenigen Gabriels, Islamkritik ins Zwielicht zu ziehen. In der Zeitung "Die Welt" nannte Maron es infam, die Kritik am Islam, also am politischen Anspruch einer Religion, am archaischen Rechtssystem, an der Missachtung und Unterdrückung der Frauen für den terroristischen Akt eines Geisteskranken verantwortlich zu machen. Kelek ergänzte: Was zur Zeit an Verbindungen konstruiert werde, an Beleidigungen, üblen Nachreden, Drohungen gegen islamkritische Stimmen durch die Medien geistere, erfülle zum Teil strafrechtliche Tatbestände.

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Der SPD-Chef, der sich in seinem Verfolgungseifer gegen Sarrazin auch nicht durch Ermahnungen der Parteiikone, Kanzler a.D. Helmut Schmidt, hatte beeindrucken lassen, muss gestern doch noch in sich gegangen sein. Richtig kleinlaut ist der Mann aus Goslar (Spitzname: Harzer Roller) zwar selten, aber dies sagte er dann doch: Einen Zusammenhang zwischen Sarrazins Buch und den Gewalttaten von Oslo gebe es "natürlich" nicht.

(RP)
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