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Nachwahl im Kanton Brignoles: Front National in Frankreich vorn

Nachwahl im Kanton Brignoles : Front National in Frankreich vorn

Es war ein eher zweitrangiger Urnengang, doch der Wahlausgang hat nationale Symbolkraft: Bei einer Nachwahl im südfranzösischen Kanton Brignoles wurde die rechtsradikale Nationale Front (FN) am Sonntag mit Abstand stärkste Kraft. Der bisher gänzlich unbekannte FN-Bewerber erreichte aus dem Stand gut 40 Prozent der Stimmen und zieht in die Stichwahl gegen den Kandidaten der bürgerlichen UMP ein. Der Kandidat der Linken landete abgeschlagen auf Platz drei.

Wenige Monate vor den Kommunalwahlen läuten bei den regierenden Sozialisten in Paris daher die Alarmglocken. Sozialistenchef Harlem Désir sprach von einer "sehr ernsten Warnung an die Linke" und mahnte sein Lager angesichts der starken FN zur Geschlossenheit.

Tatsächlich bekräftigt das jüngste lokale Wahlergebnis eine Tendenz, die sich schon seit Wochen und Monaten abzeichnet: Die Rechtspopulisten sind in Frankreich steil im Aufwind. "Bei jedem Urnengang stellen wir unbestritten einen spektakulären Stimmenzuwachs fest", jubelte FN-Chefin Marine Le Pen.

Die blonde Juristin, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, ihre Truppe bei den Gemeinde- und Europawahlen im kommenden Jahr zur stärksten Kraft zu machen, sieht ihr Ziel vorzeitig erreicht: "Die FN ist schon jetzt die führende Partei Frankreichs."

In die Hände spielen der Nationalen Front dabei die anhaltend schlechte Wirtschaftslage, die Rekord-Arbeitslosigkeit sowie die steigende Kriminalität in Frankreich. Dazu gesellt sich die Wut zahlreicher Wähler auf die politische Klasse — allen voran die regierenden Sozialisten, die trotz ihrer Wahlversprechen an der aktuellen Misere bisher nichts ausrichten konnten. Dies, gepaart mit den massiven Steuererhöhungen der vergangenen Monate, dem jüngsten Koalitionskrach über die in Frankreich lebenden Roma sowie ständigen Kommunikationspannen, könnte die Regierung teuer zu stehen kommen. Umfragen zufolge will gut ein Viertel der Franzosen die Kommunalwahlen im März zur Abrechnung mit der nationalen Politik nutzen und Präsident François Hollande einen Denkzettel verpassen.

Besonders aufgebracht ist die konservative Wählerschaft. Einer jüngsten Erhebung zufolge erklären 63 Prozent der UMP-Sympathisanten, die FN-Chefin dem sozialistischen Präsidenten vorzuziehen. Hollande selbst kommt nur auf 29 Prozent. Auf alle Franzosen übertragen ergibt sich zwar ein anderes Bild: Der Staatschef liegt mit 57 Prozent noch immer vor Le Pen mit 34 Prozent. Dennoch bestätigt die Erhebung den klaren Aufwärtskurs einer Partei, die, anders als früher, vielen Franzosen nicht mehr als anrüchig gilt.

Seit Jahren hat die Tochter des früheren Parteichefs Jean-Marie Le Pen daran gearbeitet, die dumpfen ausländerfeindlichen Parolen ihres Vaters und Vorgängers abzumildern und die rechtsextreme Truppe offener und salonfähiger zu machen. Ihre Strategie scheint zu funktionieren.

(RP)