Portrait Alfred Dregger: "Freiheit statt Sozialismus"

Portrait Alfred Dregger: "Freiheit statt Sozialismus"

Frankfurt/Main (rpo). Bei seinen Gegnern galt er als rechtskonservativer Law-and-Order-Mann, er selbst sah sich als "Streiter für Deutschland". 1976 prägte er den Wahlkampfslogan "Freiheit statt Sozialismus".

Seine Gegner sahen in ihm eher einen rechtskonservativen Law-and-Order-Mann, der auch in der Außenpolitik auf Konfrontation statt Annäherung setzte. Nach langer schwerer Krankheit ist der frühere Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Alfred Dregger am Samstagabend im Alter von 81 Jahren in Fulda gestorben. Er war in den letzten Jahren gesundheitlich schwer angeschlagen und soll schon länger nicht mehr alle Besucher erkannt haben, heißt es in seiner Umgebung. Der langjährige Bundestagsabgeordnete sah sich als "letzter Vertreter der Kriegsgeneration" im Bundestag. Nicht nur deshalb fiel ihm 1997 der Verzicht nach 25 Jahren Abgeordnetentätigkeit auf eine erneute Kandidatur besonders schwer: Zu gern hätte Dregger 1998 den Bundestag als Alterspräsident eröffnet.

Erst nach quälendem Streit mit seinen hessischen Parteifreunden machte der damals 76-jährige Platz für den eingeforderten Generationswechsel. Eine Niederlage sah "Don Alfredo", wie ihn Bundeskanzler Helmut Kohl und viele CDU-Freunde nannten, darin nicht. Vielmehr diente er ein weiteres Mal der Partei, der er sein politisches Leben verschrieben hatte. Der bekennende Konservative mit "innerer Zuneigung zur CSU" hatte sich schon oft Parteiinteressen gebeugt: Als Dregger nach achtjähriger Amtszeit im Dezember 1990 für zwei weitere Jahre Vorsitzender der Bundestagsfraktion werden wollte, legte diese ihr Veto ein. Nur ein weiteres Jahr sprang für den Politiker heraus, dem Kritiker einen zu geringen Einfluss der Fraktion auf die Regierung vorhielten. Dregger - einer der "Leuchttürme für die national-konservativen Wähler", so ein Parteifreund - avancierte zum ersten Ehrenvorsitzenden der Unionsparlamentarier und wurde auf Wunsch von Kohl mit Sonderaufgaben in der Außen- und Sicherheitspolitik betraut. In der Debatte um die Nachrüstung zu Beginn der 80er Jahre hatte der Mann mit den stahl-blauen Augen zuvor eine harte Haltung eingenommen, später warb er gemeinsam mit der CSU für eine Änderung des Asylrechts.

  • „Voll peinliche Vorstellung“ : AfD will Parlament mit Hammelsprung ärgern und bekommt Hohn und Spott ab

Seine Erfahrungen als Soldat im Zweiten Weltkrieg hatten Dregger stark geprägt. Nach dem Abitur kam der am 10. Dezember 1920 geborene Münsteraner schon 1939 zur Wehrmacht. Im Krieg wurde er vier Mal verwundet und bis zum Bataillonskommandeur befördert. Nach 1945 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften und promovierte 1950 in Tübingen. Bevor der verheiratete Vater dreier Söhne - der Erstgeborene verunglückte 1972 tödlich - nach Bonn in die Bundespolitik kam, hatte sich Dregger in Hessen als Kommunal- und Landespolitiker hervorgetan. 1955 begann der Jurist beim Deutschen Städtetag und wechselte ein Jahr später mit 36 Jahren als Deutschlands jüngster Oberbürgermeister ins Fuldaer Rathaus.

Als Landesvorsitzender (1967- 1982) verhalf er der Hessen-CDU in den zwei Landtagswahlen 1970 und 1974 zu einem Stimmenzuwachs von 26 auf 47 Prozent. Für einen Regierungswechsel reichte es dennoch nicht, weil die FDP sich auf eine sozialliberale Koalition festgelegt hatte. Nach dem abermaligen Scheitern bei der Landtagswahl 1982 trat er als Landespolitiker zurück. Ihm blieb der Erfolg, einer lange übermächtige SPD in Hessen das Fürchten gelehrt zu haben.

(RPO Archiv)
Mehr von RP ONLINE