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Paris: Frankreichs Rechte gewinnt bei Kommunalwahlen

Paris : Frankreichs Rechte gewinnt bei Kommunalwahlen

Wahlschlappe für die Sozialisten, erhoffte Revanche für die oppositionellen Konservativen und starke Stimmenzugewinne für die rechtsextreme Nationale Front – der erste Durchgang der Kommunalwahlen in Frankreich hat klare Sieger und Verlierer hervorgebracht. Sollte sich der Trend am kommenden Sonntag bestätigen, würden zahlreiche der bisher mehrheitlich sozialistisch regierten Kommunen einen konservativen Machtwechsel erleben.

Ersten Hochrechnungen nach Schließung der Wahllokale zufolge kam die sozialistische Partei von Präsident François Hollande landesweit nur auf 43 Prozent der Stimmen. Für sie stehen Städte, wie Reims, Saint Etienne, Amiens und Pau auf der Kippe. Die rechtsbürgerliche UMP lag dagegen mit 48 Prozent klar in Führung. Der Wirbel um die vermeintlichen Affären rund um Nicolas Sarkozy schadete der Partei offenbar nicht. Parteichef Jean-François Copé zeigte sich in einer ersten Reaktion wohlgelaunt und appellierte an die Wähler, den Erstrundentrend am kommenden Sonntag zu bestätigen: "Es geht darum, François Hollande Stopp zu sagen und diesen Unmut in eine positive Stimme für die UMP zu verwandeln."

Mit Spannung war das FN-Ergebnis erwartet worden. Die Partei von Marine Le Pen hatte fast 22 000 und damit eine Rekordzahl an Kandidaten aufgestellt. Den Hochrechnungen zufolge konnte sie stark zulegen. Zwar kam sie im Durchschnitt nur auf rund sieben Prozent, sie trat aber nur in 500 Kommunen an. In der FN-Hochburg im nordfranzösischen Hénin-Beaumont erzielte der Kandidat der Le-Pen-Partei, Steeve Briois, auf Anhieb 50,26 Prozent und gilt damit als gewählt. Auch in Fréjus und Avignon in Südfrankreich haben die Rechtspopulisten beste Chancen, nach dem Bürgermeisteramt zu greifen. Dort erreichte die FN rund 40 respektive 30 Prozent. Le Pen sprach im Fernsehen von einem "außerordentlichen" Stimmenzuwachs und dem "Ende der Zweiparteien-Landschaft" in Frankreich. Ihre Partei sei nun eine autonome politische Kraft auf Landes- und Kommunalebene. In schätzungsweise 200 Städten und Gemeinden könnte die Le-Pen-Partei – wenn nicht zum Sieger – dann zumindest bei den Stichwahlen zum Zünglein an der Waage werden.

(sys)