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Jospin tritt am Montag ab: Frankreich vor der Entscheidung

Jospin tritt am Montag ab : Frankreich vor der Entscheidung

Paris (rpo). In Frankreich wird am Sonntag in der Stichwahl zwischen dem Konservativen Jacques Chirac und und dem Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen über die Präsidentschaft entschieden. Die Sozialistische Partei hat unterdessen zur "Volksabstimmung für die Republik" aufgerufen.

Der Sieg des Konservativen Jacques Chirac über den Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen werde kein Sieg der gemäßigten Rechten sein, sondern der aller Republikaner, sagte Parteichef François Hollande am Donnerstag in Paris. Rund 3.000 Anhänger Le Pens kamen unterdessen am Abend in Marseilles zu einer Kundgebung zusammen.

Nach den Massendemonstrationen vom 1. Mai appellierte die Vorsitzende der Gewerkschaft CFDT, Nicole Notat, an die Franzosen, die Mobilisierung nun auch am Sonntag in Stimmen gegen Le Pen umzusetzen. Nur dann hätten die Kundgebungen auch einen Sinn gehabt, sagte sie im RTL-Radio. Hollande bedauerte im Fernsehsender LCI, dass sich die bürgerlich-konservativen Parteien nicht an den Demonstrationen beteiligt hätten.

Unterstützung für Demonstranten

Chirac bekundete im Fernsehen aber seine Unterstützung für die mehr als eine Millionen Demonstranten, die am 1. Mai gegen Le Pen marschiert waren. Auf seiner eigenen Abschlusskundgebung vor 20.000 Menschen im Pariser Vorort Villepinte lobte er noch einmal den "demokratischen Elan" der Franzosen. Wer je am Bekenntnis der Franzosen zu den demokratischen Idealen gezweifelt habe, sei eines Besseren belehrt worden.

Die Demonstration in Marseilles war die Abschlusskundgebung des Präsidentschaftskandidaten Le Pen. Paris sei das Herz Frankreichs, Marseilles aber das Herz der Nationalen Front, erklärte der Parteichef. Er dankte den Menschen, dass sie ihm zu dem Überraschungserfolg im ersten Wahlgang verholfen hätten. Chirac warf er vor, nichts gegen die Korruption und die wachsende Kriminalität in Frankreich getan zu haben. Auch am Sonntag werde es wieder eine große Überraschung geben, versprach Le Pen seinen jubelnden Anhängern.

Le Pen unbeeindruckt

Rund 1.500 Polizisten waren in Marseilles aufgeboten worden, um Ausschreitungen zu verhindert, da zur gleichen Zeit auch mehrere tausend Gegendemonstranten am alten Hafen der Stadt erwartet wurden. Le Pen zeigte sich zuvor von den landesweiten Kundgebungen gegen ihn unbeeindruckt. Von 60 Millionen Franzosen hätten nur eine Million demonstriert, rechnete er im Radio France-Inter vor. "Das war kein großer Erfolg."

Der Vorsitzende der Nationalen Front kündigte an, im Falle seiner Wahl werde er den amtierenden Premierminister Lionel Jospin bitten, bis zur Parlamentswahl im Juni die Geschäfte weiter zu führen. Sollte der Sozialist dies ablehnen, werde er wahrscheinlich seinen Wahlkampfchef Bruno Gollnisch zum neuen Regierungschef ernennen. Die Wahl Le Pens gilt als äußerst unwahrscheinlich.

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Jospin hat nach seinem Debakel im ersten Wahlgang am 21. April für Montag seinen Rücktritt angekündigt. Als Favoriten für seine Nachfolge im Fall des erwarteten Siegs von Chirac gelten der Neogaullist Nicolas Sarkozy und der Liberale Jean-Pierre Raffarin. Die neue Regierung muss bis zur Parlamentswahl ohne Bestätigung der Nationalversammlung amtieren.

(RPO Archiv)