Frankreich: Die Helden von Paris

Paris: Die Helden von Paris

Bei der Anschlagserie sind 17 Menschen gestorben. Doch die tragischen Ereignisse brachten auch Beispiele großen Muts hervor.

Lassana Bathily ist derzeit oft im französischen Fernsehen zu sehen. Der 24-Jährige aus dem westafrikanischen Mali muss sich erst noch an seine Berühmtheit gewöhnen, die er am Freitag mit einem Schlag erlangte. Er rettete nämlich bei der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt an der Pariser Porte de Vincennes mehreren Menschen das Leben.

Der gläubige Muslim, der seit vier Jahren in dem Lebensmittelladen "Hyper Cacher" an der Porte de Vincennes arbeitet, war gerade zum Gebet im Keller, als der Attentäter Amédy Coulibaly am Freitag in das Geschäft stürmte. Eine Reihe von Kunden hinten im Laden rannte die Treppe hinunter in den Keller. Dort trafen sie auf Bathily, der schnell reagierte: Er versteckte die Gruppe im Kühlraum, nachdem er Kühlung und Licht ausgeschaltet hatte.

"Ich habe ihnen gesagt, sie sollten ruhig sein", schilderte er im Fernsehsender BFM seine Tat. Eine der Geiseln sprach von mindestens fünf Menschen, darunter einem Kind, die so Zuflucht vor dem mit einer Kalaschnikow bewaffneten Angreifer fanden.

Doch Coulibaly schöpfte Verdacht und schickte die Kassiererin ins Untergeschoss, da er von dort Geräusche hörte. Die Frau sollte der Gruppe die Erschießung androhen, wenn sie nicht nach oben komme. Aber so weit kam es nicht: Da keiner der anderen die Flucht wagen wollte, fuhr Bathily allein mit einem Lastenaufzug nach oben und entkam durch den Notausgang.

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Draußen nahmen ihn Polizisten in Empfang, die ihn als mutmaßlichen Komplizen festnahmen und ihn anderthalb Stunden festhielten. Der 24-Jährige überzeugte die Beamten aber von seiner Unschuld, indem er einen genauen Plan des Supermarkts zeichnete, um eine Befreiung der Geiseln zu erleichtern. Die Befreiungsaktion begann dann am Freitag kurz nach 17 Uhr.

Praktisch gleichzeitig stürmte die Polizei auch die Druckerei in Dammartin-en-Goële in der Nähe des Pariser Flughafens Charles de Gaulle, wo sich zwei offenbar mit Coulibaly verbündete weitere Attentäter verschanzt hatten. Auch dort hatte ein Angestellter sich versteckt, um nicht von den Kouachi-Brüdern entdeckt zu werden, die den Angriff auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" verübt hatten. Der Grafiker Lilian Lepère harrte acht Stunden lang unter einem Waschbecken in der Kantine der Druckerei aus und gab der Polizei mit seinem Mobiltelefon Hinweise zu den zwei Terroristen. Dass er nicht entdeckt wurde, hat der langhaarige junge Mann seinem Chef Michel Catalano zu verdanken. Der versicherte den Angreifern, dass er allein im Gebäude sei, und bot ihnen sogar noch einen Kaffee an. Die Brüder ließen ihn kurz danach frei. Erst acht bange Stunden später konnte auch Lepère die Druckerei verlassen.

Weniger glimpflich als in Dammartin-en-Goële ging die Geiselnahme in dem jüdischen Supermarkt in Paris zu Ende, wo vier Geiseln erschossen wurden. Zwei der Männer hatten versucht, dem Attentäter eine Waffe abzunehmen. "Der Terrorist hat eine seiner Waffen auf den Boden gelegt. Mein Bruder und eine andere Geisel haben versucht, sie an sich zu bringen, aber sie war nicht geladen. Daraufhin hat ihnen der Terrorist in den Kopf geschossen", schilderte der Bruder des getöteten Yoav Hattab in der Zeitung "Journal du Dimanche" das Geschehen. Und die Cousine des zweiten Supermarkt-Helden Yohan Cohen ergänzte: "Er liebte Kinder. Um ein Baby zu schützen, nahm er zusammen mit Yoav Hattab die Waffe und wurde dabei selbst getötet."

Mit den beiden 20 und 22 Jahre alten Männern starben auch Philippe Braham und François-Michel Saada, zwei weitere Kunden des Supermarkts.

(RP)
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