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François Hollande - mit 60 Jahren am Tiefpunkt

Paris : Hollande - mit 60 Jahren am Tiefpunkt

Der französische Präsident François Hollande wird heute 60. Doch die Bilanz des Sozialisten ist nach der Hälfte seiner Amtszeit verheerend. Gefeiert wird wohl auch deshalb nur im Kreis der Familie.

Eine neue Brille hat sich François Hollande vor Kurzem zugelegt. Das dunkle, kantige Gestell soll wohl signalisieren, dass der französische Präsident nicht der entscheidungsschwache Politiker ist, als der er gilt. "Der Mann ist nicht durchtrieben, nicht zynisch. Er ist einfach in einer Vermeidungshaltung", beschreibt sein Biograf Serge Raffy Hollandes Psyche. "Schwammig" nennen seine Gegner diese Art.

Und Gegner hat der langjährige sozialistische Parteichef inzwischen viele. Nur noch 16 Prozent der Franzosen unterstützen den Staatschef. So unpopulär war keiner seiner Vorgänger in den vergangenen 50 Jahren. "Der Wandel ist jetzt" - mit diesem Slogan hatte Hollande die Wahl gegen den konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy gewonnen. Aber der erste sozialistische Staatschef seit François Mitterrand (1981-1995) ist nach gut zwei Jahren im Amt an seinem größten Versprechen gescheitert: der Bekämpfung der Rekord-Arbeitslosigkeit.

Seit Hollandes Amtsantritt stieg die Zahl der Arbeitslosen immer weiter und erreichte inzwischen 3,4 Millionen. Und auch das ersehnte Wirtschaftswachstum lässt weiter auf sich warten. Bei rund 0,6 Prozent dürfte es in diesem Jahr liegen. Zu wenig, um der wettbewerbsschwachen Industrie den entscheidenden Impuls zu geben.

Die Wähler reagierten im Frühjahr mit einem deutlichen Votum für den rechtspopulistischen Front National, der bei der Europawahl im Mai zur stärksten Partei wurde. Auch die Regierungsumbildung im April hatte den Aufstieg von Marine Le Pen nicht stoppen können. Hollande hatte nicht nur den Regierungschef ausgewechselt, sondern mit Ségolène Royal auch seine frühere Lebensgefährtin als Umweltministerin ins Kabinett geholt.

"Ségo", die Mutter seiner vier Kinder, mit der er fast 30 Jahre zusammen war, darf nun mitregieren, weil Hollande seiner eifersüchtigen Partnerin Valérie Trierweiler den Laufpass gab. Und das nach einem filmreifen Finale ihrer Beziehung: Eine Zeitschrift enthüllte im Januar, dass der bieder wirkende Staatschef nachts auf dem Motorroller zu seiner Geliebten Julie Gayet fährt. Zum 60. Geburtstag erwartete die Boulevardpresse eigentlich, dass der Staatschef seine Beziehung zu der 42-jährigen Schauspielerin öffentlich macht. Doch Hollande sagte dazu mit dem ihm eigenen Humor nur: "Das einzige Ereignis, das ich am 12. August kenne, ist mein Geburtstag." Feiern will er mit seinen Kindern im Südosten Frankreichs.

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(RP)