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Berlin: Fraktionschefin auf Abruf

Berlin : Fraktionschefin auf Abruf

Den Kragen ihres Blazers hat sie forsch hochgeschlagen, Birgit Homburger lächelt viel und breit an diesem Morgen danach. Auch noch bei den vielen Fragen der Journalisten zu ihrer Zukunft als FDP-Fraktionschefin. Viele hatten damit gerechnet, dass auch sie gehen müsste, nachdem das Personalkarussell bei den Liberalen erst mal Fahrt aufgenommen hatte. Kritik an ihr aus den eigenen Reihen gab es.

Doch Homburger, die als Vorsitzende des zweitgrößten Landesverbandes Baden-Württemberg auch Verantwortung für die Schlappe bei der Landtagswahl trägt, wirkt selbstbewusst wie eh und je. "Ich sehe da kein Aufregerthema", sagt sie auf die Frage, ob sie künftig häufiger anderen, etwa Generalsekretär Christian Lindner, das Reden im Bundestag überlässt.

Hauptkritikpunkt an ihrer Arbeit als Fraktionsvorsitzende sei doch, "dass meine Reden nicht so sind wie die von Guido Westerwelle". Sie habe aber als Sprecherin in einer Regierungskoalition auch eine andere Aufgabe, als Westerwelle sie in der Opposition hatte, versucht sie dies zu entkräften. "Und das traut man mir nicht nur zu, sondern man ist auch sehr zufrieden."

Homburger jedenfalls sieht ihre Partei nun gut aufgestellt. Der Neuanfang sei gemacht, und sie selbst bleibe in der Führung. Bei den Sitzungen der Parteigremien, aus denen Philipp Rösler schließlich als großer Hoffnungsträger und neuer Parteivorsitzender hervorging, hat es laut Homburger keine einzige Wortmeldung gegeben, die sie oder andere Personen infrage gestellt hätte. Obwohl der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Vorsitzende Guido Westerwelle ausdrücklich danach gefragt haben soll. Ihr sei von Vorstand und Fraktion das Vertrauen ausgesprochen worden. Auch bei der Personalie Rainer Brüderle als Wirtschaftsminister soll in der Sitzung niemand das Wort gegen ihn ergriffen haben.

Im Raum steht allerdings die Frage, ob es für den Rest der Legislaturperiode dabei bleibt. Homburger will die schädliche Personaldebatte nicht von vorn anfangen, wie sie sagt. "Wir haben Fehler gemacht, das ist uns klar", räumt sie immerhin ein. Beim jetzt erklärten Neuanfang gehe es aber nicht ums Personal allein, sondern vor allem um Inhalte. Homburger beschwört das Team, das künftig wieder näher an die Lebenswirklichkeit der Menschen heranrücken müsste. Was das konkret für die künftige Politik der Liberalen heißt, lässt sie offen. Nur bessere Grüne werden, das wollten sie auf keinen Fall.

Schon im Herbst stehen Neuwahlen für den Fraktionsvorstand an. Ob sie dann immer noch den Vorsitz haben wird? Homburger lächelt unerschütterlich, klingt aber ungeduldig. Hypothetische Fragen habe sie noch nie beantwortet.

(RP)