Essen: Finanzaufsicht ermittelt bei RWE

Essen : Finanzaufsicht ermittelt bei RWE

Wegen möglicher Milliarden-Lücke beim Atom-Ausstieg droht ein Dax-Abstieg.

Die Lage beim zweitgrößten deutschen Energiekonzern spitzt sich zu. Nun ermittelt die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) wegen des Verdachts auf Marktmissbrauch bei RWE: "Wir führen wegen des Verdachts auf Marktmissbrauch eine routinemäßige Analyse in den Aktien der RWE AG durch. Zugrunde liegen unterschiedliche Verdachtshinweise von August und September", sagte eine Sprecherin unserer Redaktion. Unter Marktmissbrauch versteht die Bafin Insiderhandel und Marktmanipulation.

Im August hatte die Halbjahres-Bilanz für einen Kurssturz gesorgt, nun die Debatte um eine Lücke bei den Atomrückstellungen. Die vier Atomkonzerne könnten bis zu 30 Milliarden Euro zu wenig zurückgestellt haben, allein RWE bis zu zehn Milliarden. Gestern stieg der Kurs wegen zunächst von RWE nicht klar dementierter Spekulationen über den Einstieg eines arabischen Investors zeitweise um zehn Prozent.

Seit 2008 hat der RWE-Konzern fast 90 Prozent seines Börsenwertes verloren. Damit könnte dem Traditionskonzern noch in diesem Jahr der Ausstieg aus der ersten Börsenliga drohen. "Geht die Talfahrt weiter, wäre ein außerordentlicher Abstieg Ende November möglich", sagte Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg.

Bei RWE herrscht seit Dienstag Nervosität, schließlich ist der Konzern mit 25 Milliarden Euro hoch verschuldet. Falls die Rating-Agenturen wegen der zusätzlichen Atomlasten den Daumen senken, werde die Finanzierung noch schwieriger, heißt es in Konzernkreisen. Heute kommt der Aufsichtsrat zusammen. Die Kommunen, die 25 Prozent an RWE halten, zweifeln zunehmend an RWE-Chef Terium und haben kritische Fragen angekündigt.

(anh)
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