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Düsseldorf: Filbingers Tochter spricht über Rolle des Vaters zur NS-Zeit

Düsseldorf : Filbingers Tochter spricht über Rolle des Vaters zur NS-Zeit

Susanna Filbinger-Riggert, Tochter des früheren Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Hans Filbinger (CDU), hat sich in ungewöhnlicher Offenheit über die Vergangenheit ihres Vaters geäußert. Filbinger war in der NS-Zeit als Marine-Richter tätig. 1978 deckte die "Zeit" auf, dass er an vier Todesurteilen beteiligt gewesen war. Wenig später trat er als Regierungschef zurück. Damals sei das Bild von ihrem Vater komplett ins Wanken geraten, sagte die Tochter der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". In seinem Tagebuch habe sich Filbinger zwar kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt.

"Es findet sich aber auch kein Wort der Verurteilung, der Ablehnung", so Filbinger-Riggert. Sie gehe jedoch nicht davon aus, dass der Vater den Mord an den Juden gutgeheißen habe. "Aus meiner Sicht hat er sich für das Funktionieren des Systems Wehrmacht instrumentalisieren lassen." Sie sei später mit ihm ins Reine gekommen: "Ich hege keinen Groll gegen ihn. Ich habe ihm das vergeben, was er mir und seiner Familie an Belastungen zugemutet hat."

(RP)