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FDP startet Maulwurf-Suche

FDP startet Maulwurf-Suche

Offiziell zeigt sich Parteichef Guido Westerwelle (FDP) nach der Veröffentlichung der peinlichen Dokumente auf Wikileaks betont gelassen. Er wies auch die Darstellung zurück, dass es einen Maulwurf bei der FDP gebe, der jene pikanten Details über das Gebaren des Parteichefs während der Koalitionsverhandlungen preisgegeben haben soll. Die offizielle Linie der Parteizentrale: Westerwelle vertraut allen seinen Mitarbeitern, es wird nicht nachgeforscht. Parteiintern hat die Suche nach Mister X aber längst begonnen.

Gesucht wird ein "junger, aufstrebender Parteigänger", der brühwarm aus den Koalitionsverhandlungen dem amerikanischen Botschafter Philip Murphy Bericht erstattet haben soll. Den veröffentlichten Dokumenten zufolge soll der Liberale als "Protokollant" an den Koalitionsverhandlungen teilgenommen haben. Er habe "glücklich gewirkt, seine Beobachtungen und Einblicke zu teilen und uns unmittelbar von seinen Notizen vorgelesen", heißt es von US-Seite. Zudem habe er Kopien von Dokumenten und seines Notizblocks zur Verfügung gestellt. "Das war ein kleiner Wichtigtuer", sagte ein FDP-Spitzenmann unserer Zeitung. "Es gab keinen Verrat von Staatsgeheimnissen", betonte er und verwies darauf, dass es sich bei den Informationen um Sachverhalte gehandelt habe, die beispielsweise auch Journalisten zugänglich gewesen seien.

Das Thema Maulwurf wurde bereits am Montag in der Präsidiumssitzung diskutiert. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle verlangte, alle Mitarbeiter sollten eidesstattliche Erklärungen abgeben, dass sie es nicht gewesen seien. Brüderle habe mit dieser Forderung allein gestanden, hieß es gestern in der Zentrale. Allerdings soll mittlerweile ein weiteres Führungsmitglied gestern eidesstattliche Erklärungen gefordert haben. Parteichef Guido Westerwelle deutete in der Sitzung offenbar an, dass Mitarbeiter, die Gelegenheit zum Verrat gehabt haben können, befragt werden sollen.

Wie groß der Kreis der Verdächtigen tatsächlich ist, war gestern noch unklar. Wenn nur nach einem Protokollanten gefahndet wird, dann beschränkt sich die Zahl der möglichen Täter nach Angaben aus Parteikreisen auf zwei bis drei Personen. Es wird aber auch nicht ausgeschlossen, dass man etwas weiter suchen muss, möglicherweise auch bei Abgeordneten und ihren Mitarbeitern.

Bei den Liberalen kursiert noch eine weitere Variante der Wahrheit zu den peinlichen Berichten. Demnach soll die US-Botschaft allgemein bekannte Informationen für Washington mit dem Hinweis, sie habe dafür eine exklusive "Quelle", etwas aufhübschen wollen. Die Teilnehmerlisten der Arbeitsgruppen für die Koalitionsverhandlungen seien für die US-Botschaft beispielsweise einfach zugänglich gewesen, weil sie als Pressemitteilungen verschickt worden seien.

In der FDP-Bundestagsfraktion war das Thema Maulwurf gestern ein wichtiges Gesprächsthema. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Außenminister ein Interesse hat herauszufinden, wer das war", sagte ein Abgeordneter unserer Zeitung. Viele Fraktionsmitglieder seien verunsichert, meinte ein anderer. "Es ist nicht schön, wenn FDP-Mitarbeiter vertrauliche Dinge herausgeben." Aus den Wahlkreisen kämen deshalb bereits Anrufe von beunruhigten Mitarbeitern. "Die Sache wird an der Basis als ehrenrührig angesehen."

(Rheinische Post)