Manager sagen: FDP-Chef soll zurücktreten

Manager sagen : FDP-Chef soll zurücktreten

In einer Umfrage unter mehr als 500 Entscheidern für das Wirtschaftsmagazin "Capital" legen 64 Prozent der Befragten FDP-Chef Guido Westerwelle den Rücktritt vom Parteivorsitz nahe. 85 Prozent der Top-Entscheider aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung sehen Fehler der Führung als Grund für die Schwäche der Partei. Als potenzieller Nachfolger wird Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle gehandelt. Die Hälfte der Manager bescheinigte ihm gute Arbeit. Im Juni waren es nur acht Prozent.

Die Ergebnisse des Allensbacher Instituts für Demoskopie spiegeln das desolate Bild, das die FDP und ihr Parteivorsitzender bieten: In Wahlumfragen erreicht die FDP derzeit selten mehr als fünf Prozent. Westerwelle werden Profillosigkeit und mittlerweile auch Führungsschwäche vorgeworfen.

Für Unmut sorgte zuletzt seine zögerliche Reaktion auf die Enttarnung des "Maulwurfs" in FDP-Reihen. Ausgerechnet Westerwelles Büroleiter Helmut Metzner hatte dem US-Botschafter Interna aus den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen übermittelt.

Am Wochenende hatte Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki den Zustand der Partei im "Spiegel" mit der "Spätphase der DDR" verglichen. Nachdem Kubicki am Montag Beifall von Parteifreunden erhielt, wollten sich gestern namhafte Liberale nicht erneut zu Wort melden.

Allerdings erklärte der FDP-Spitzenkandidat in Rheinland-Pfalz, Herbert Mertin, die dortige FDP habe Westerwelle bisher nicht für Wahlkampfauftritte angefragt: "Ich habe bisher einen solchen Wunsch noch nicht geäußert." Er widersprach damit FDP-Generalsekretär Christian Lindner, der erklärt hatte, alle wahlkämpfenden Landesverbände hätten sich um Kundgebungen mit Westerwelle bemüht. In Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg wird im März gewählt. Nach einem Bericht der "Südwest-Presse" haben vier baden-württembergische Liberale Westerwelle in einem offenen Brief aufgefordert, sein Amt noch vor der Landtagswahl niederzulegen.

In der Allensbach-Umfrage beurteilten die Führungskräfte die wirtschaftliche Entwicklung so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. 89 Prozent der Manager beschrieben die Auftragslage des eigenen Unternehmens sogar als gut bis sehr gut — ein Rekord im "Elite-Panel". Das Zeugnis für die Bundesregierung fiel dagegen schlecht aus: 72 Prozent der Befragten zeigten sich unzufrieden mit deren Arbeit. Mit 54 Prozent (im Juni: 44 Prozent) hält aber die Mehrheit der befragten Führungskräfte Angela Merkel wieder für eine "starke Kanzlerin".

(born)
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