Fast alle Teenager online

Fast alle Teenager online

Das Internet gehört zum Alltag der Zehn- bis 18-Jährigen in Deutschland selbstverständlich dazu. Jugendliche sind die am besten vernetzte Bevölkerungsgruppe. Das Netz birgt aber auch viele Gefahren.

Berlin Das Internet ist im Leben von Kindern und Jugendlichen so selbstverständlich wie ein eigenes Fahrrad. So sind 98 Prozent der Zehn- bis 18-Jährigen regelmäßig online, wie aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom hervorgeht. Zum Vergleich: Ein eigenes Fahrrad besitzen 93 Prozent. "Jugendliche sind heute die am besten vernetzte Bevölkerungsgruppe", sagte der Chef des Bitkom-Verbandes, August-Wilhelm Scheer.

Nicht allen Jugendlichen ist bewusst, dass das weltweite Netz auch viele Gefahren birgt. Jeder Dritte hat im Internet schon einmal schlechte Erfahrungen mit Beleidigungen, Verleumdungen, sexuellen Belästigungen, peinlichen Fotos oder Betrug gemacht. Opfer solcher Attacken werden besonders leicht Jugendliche, die zu viel von sich preisgeben im Netz. So gestattet etwa ein Viertel der Zehn- bis 18-Jährigen, die Kommunikations-Foren im Internet nutzen, einem Millionen-Publikum, auf ihre persönlichen Angaben zuzugreifen.

Der Gefahr sexueller Belästigung sind weibliche Teenager besonders ausgesetzt. Der Umfrage zufolge beklagten 16 Prozent der Mädchen, aber nur drei Prozent der Jungen, dass sie via Internet schon einmal sexuell belästigt wurden. "Ermittlungen gegen Straftaten im Internet müssen verstärkt werden", forderte Scheer. "Wir brauchen auf Länderebene mehr Kompetenz und eine bessere Ausstattung, damit Rechtsverstöße im Netz auch geahndet werden können", sagte der Bitkom-Chef.

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Die familienpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Dorothee Bär (CSU), sieht Aufklärung als besten Schutz für Minderjährige im Netz. "Kinder und Jugendliche müssen die Chancen und Risiken des Internets kennen. Auch mögliche Gefahren wie beispielsweise sexuelle Belästigung in Chat-rooms dürfen in der Medienerziehung nicht tabuisiert werden", sagte Bär unserer Zeitung. Sie fügte hinzu: "Wissen schützt in diesem Fall mehr als jedes Verbot oder jede gesetzliche Restriktion. Für mich gilt: Medienerziehung statt Bürokratie stärken und deshalb fordere ich ein Schulfach Medienkunde."

Genutzt wird das Internet von Kindern und Jugendlichen an erster Stelle zur Informationsbeschaffung für die Schule oder für die Ausbildung, wie 76 Prozent angaben. Hoch im Kurs stehen zudem Freizeitbeschäftigungen wie Filme und Videos schauen (73 Prozent), ebenso die Kommunikationsforen, die von 74 Prozent regelmäßig angeklickt werden.

Trotz des hohen Stellenwerts, den Computer und Internet im Leben der Jugendlichen haben, gelten Werte wie Familie und Freunde immer noch mehr. Auf die Frage, was in ihrem Leben besondere Bedeutung hat, antworteten 98 Prozent der Teenager, dies seien Freunde, 96 Prozent gaben die Familie an, und bei 93 Prozent trifft dies auch auf gute Schulnoten zu. Den Internetzugang bezeichneten 86 Prozent, den eigenen Computer 76 Prozent und die neuesten Computer- und Videospiele nur 29 Prozent als "wichtig" oder "sehr wichtig". Bitkom-Chef Scheer nannte es eine tröstliche Botschaft, dass die Jugendlichen bei der Frage, was ihnen wichtig ist, Haustiere doppelt so oft nannten wie die neuesten Computerspiele. Selbst moderne Handys sind den Jugendlichen weniger wichtig als ein Hund oder eine Katze im Haus. Wobei auch das Handy einen hohen Stellenwert hat. Dafür geben die Jugendlichen pro Monat durchschnittlich 13 Euro aus. Zu den drei liebsten Freizeitbeschäftigungen zählt bei den Teenagern an erster Stelle Freunde treffen (68 Prozent), gefolgt von Internet nutzen (39 Prozent) und Sport (37 Prozent).

(RP)
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