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Ursula von der Leyen fühlte sich beim #Sofagate in Ankara herabgesetzt

„Wurde so behandelt, weil ich eine Frau bin“ : Von der Leyen fühlte sich beim #Sofagate in Ankara herabgesetzt

Das Sofagate machte international Schlagzeilen. Die EU-Kommissionschefin sieht noch einen langen Weg bis zur Gleichberechtigung. Am Montag hielt Ursula von der Leyen eine Rede vor dem Parlament und griff den Vorfall auf.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich durch die Sitzordnung während einer Zusammenkunft von Spitzenpolitikern der EU und der Türkei herabgesetzt gefühlt. Es habe sie verletzt, dass sie in Ankara auf einem Sofa sitzen musste, weil kein Stuhl neben dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für sich bereitstand, erklärte von der Leyen am Montag vor den EU-Abgeordneten. Es gehe nicht um das Protokoll, sondern um die Werte der Europäischen Union.

Von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel hatten vor zwei Wochen Erdogan im Präsidentenpalast in Ankara getroffen. Für die drei Politiker standen allerdings nur zwei Stühle vor Flaggen der EU und der Türkei bereit. Die Kommissionschefin blieb stehen, während die Herren sich auf die Stühle setzten, und nahm schließlich auf einem Sofa Platz, mit deutlichem Abstand zu ihren männlichen Kollegen.

Sie habe erwartet, in der Türkei wie eine Kommissionspräsidentin behandelt zu werden, aber das sei nicht geschehen, erklärte von der Leyen. „Ich kann in den Europäischen Verträgen keine Erklärung für meine Behandlung finden“, sagte sie. „Deshalb muss ich den Schluss ziehen, dass ich so behandelt wurde, weil ich eine Frau bin.“ Ob wohl das gleiche geschehen wäre, wenn sie einen Anzug und Krawatte getragen hätte, fragte die Kommissionschefin. Der Vorfall zeige, dass es noch ein weiter Weg sei, bis Frauen überall und immer als ebenbürtig behandelt würden.

Ratspräsident Michel entschuldigte sich am Montag für den Zwischenfall. Er hätte seinen Stuhl anbieten sollen, erklärte er. Er habe aber befürchtet, so einen noch größeren diplomatischen Aufruhr auszulösen, besonders angesichts des schlechten Zustands der Beziehungen zwischen der Türkei und der EU.

Von der Leyen erklärte, sie habe in Ankara die türkische Entscheidung zum Austritt aus der Istanbul-Konvention, die sich den Schutz von Frauen vor Gewalt zum Ziel gesetzt hat, zur Sprache gebracht. „Der Austritt eines der Gründungsmitglieder des Europarats ist ein furchtbares Signal“, erklärte die Kommissionspräsidentin. Aber auch mehrere EU-Mitglieder hätten die Konvention nicht ratifiziert und andere erwögen sogar einen Ausritt. „Das ist inakzeptabel.“

Sie wünsche sich, dass die EU Mitglied der Konvention werde, erklärte von der Leyen. Ein solcher Schritt werde allerdings von einigen Mitgliedern blockiert. Bis Ende des Jahres werde die Europäische Kommission daher einen eigenen Entwurf vorlegen, mit dem Frauen und Kinder vor Gewalt geschützt werden sollten.

(mja/dpa)