Europawahl 2019: Das halten die Menschen von der EU

Umfrage: Das halten die Menschen in NRW von der EU

Wir haben Menschen im Rheinland gefragt, wie sich die EU auf ihr Leben auswirkt. Die Antworten zeigen vor allem eines: Europas Vorzüge sind für die meisten längst nicht mehr wegzudenken.

Mit der Europäischen Union ist es so eine Sache. Sie hat es ja nicht ganz leicht gehabt in der letzten Zeit. Erst standen einige Staaten vor der Pleite, und sogar der Euro geriet in Gefahr. Dann zeigte sich in der Flüchtlingskrise, dass es mit der Solidarität doch manchmal nicht sehr weit her ist unter europäischen Regierungen. Dann entschieden sich auch noch die Briten, dass sie die Nase voll haben und den Club nach mehr als vier Jahrzehnen wieder verlassen wollen. Und natürlich gibt es da auch noch diese schon fast rituelle Nörgelei über die EU-Bürokratie, die angeblich alles gleich macht und alle bevormundet.

Komisch nur, dass die Bürger ihre EU dann offenbar doch gar nicht so schlimm finden. Sie finden sie sogar ziemlich gut. Glaubt man einer Umfrage vom Oktober, dann sind die Deutschen sogar ganz besonders zufrieden: 81 Prozent halten die Mitgliedschaft für eine gute Sache, 76 Prozent sind der Meinung, dass unser Land bislang eindeutig von der EU profitiert hat.

Wir wollten wissen, was denken eigentlich die Menschen in unserer Region über die EU? Wie wirkt sich Europa auf ihr Leben aus? Schließlich ist Nordrhein-Westfalen in gewisser Weise das europäischste aller Bundesländer, nirgendwo leben so viele EU-Bürger, nirgendwo lässt sich Europa im Alltag so intensiv erleben. Die Auswahl der Menschen, mit denen wir gesprochen haben, ist nicht repräsentativ. Sie alle wohnen im Rheinland, einige haben einen speziellen Bezug zur EU, andere nicht. Aber etwas zu Europa zu sagen, das hatten sie alle.

Viele positive Erfahrungen sind darunter, aber durchaus auch Kritik. Wer wollte auch bestreiten, dass die EU nicht alles richtig macht? Dass „Brüssel“ die Erwartungen der Menschen enttäuscht? Auch wenn man ganz klar sagen muss, dass das schlechte Image der EU vor allem Generationen von Regierungschefs zu verantworten haben, die vor heimischem Publikum lauthals auf die „Eurokraten“ schimpfen – und dabei nicht selten eine Politik kritisieren, für die sie in Brüssel zuvor selbst gestimmt haben.

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Doch dieses Spielchen – Erfolge werden national verbucht, Misserfolge gehen zu Lasten der EU – haben viele Menschen inzwischen durchschaut. Sie wissen, was ihnen Europa gebracht hat. Gerade die Älteren können den Fortschritt ermessen. Allein die Einführung des Binnenmarkts vor 25 Jahren ließ das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um ein Drittel nach oben schnellen. Da lassen sich Europas Vorteile in Euro und Cent berechnen, ebenso wie bei der von der EU durchgesetzten Abschaffung der Handy-Extragebühren im Ausland.

Aber bemerkenswerter Weise ist offenbar den meisten Menschen ein nicht-materieller Wert am allerwichtigsten: die Freiheit, sich überall in Europa ungehindert bewegen zu können. Die Freizügigkeit gilt als größte Errungenschaft der EU, selbst unter den Jüngeren, die ja Schlagbäume und Passkontrollen selbst gar nicht mehr erlebt haben. Und noch ein Wort fällt häufig: Frieden – der Frieden, den die europäische Einigung gebracht hat.

Dass Frieden in Europa nicht unbedingt selbstverständlich ist, zeigt der seit 2014 andauernde Krieg in der Ukraine. Solche Gefahren von außen scheinen den Zusammenhalt der Europäer zuletzt eher gestärkt zu haben, und auch der rüde Kurs der USA unter Donald Trump hat das Bedürfnis nach mehr europäischer Zusammenarbeit gefördert. Der Brexit hat die Bürger zudem mit der Erkenntnis konfrontiert, dass die Existenz der EU nicht in Stein gemeißelt ist. Die Folge ist: Über das Schicksal Europas wird heute viel breiter und viel engagierter debattiert als noch vor wenigen Jahren. Weil vielen Menschen klar geworden ist: es geht bei diesem Thema auch um ihr Leben, um ihre Zukunft. Und darüber sollte sich nun wirklich niemand beklagen.

Und was sagen die Menschen in unserer Region zu Europa und EU? Wir haben einige gefragt:

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