Tierwohl-Paket vorgestellt Die EU will Welpen besser schützen

Brüssel · Es ist ein Milliarden-Geschäft geworden. Gerade vor Weihnachten wechseln wieder viele süße kleine Hunde und Katzen den Besitzer. Oft sind sie in mafiösen Strukturen gezüchtet worden und kommen krank unterm Weihnachtsbaum an. Das soll sich nach dem Willen der EU ändern.

 Ein Terrier-Mischling schaut durch das Gitter eines Tierheim-Geheges.

Ein Terrier-Mischling schaut durch das Gitter eines Tierheim-Geheges.

Foto: dpa-tmn/Andrea Warnecke

Für dieses Signal an die Tierfreunde Europas setzte die EU-Kommission schon äußerlich ein besonderes Zeichen. Nicht nur Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, sondern den ersten Vizekommissionspräsidenten Maros Sefcovic bot sie auf, um ein Paket für mehr Wohlergehen der Tiere in der EU vorzustellen. Sefcovic outete sich gleich zum Einstieg am Donnerstag in Brüssel als Betroffener und „stolzer Besitzer von zwei Hunden und einer Katze“. Er lebt damit, wie 44 Prozent aller EU-Haushalte, mit Heimtieren und ist damit daran beteiligt, dass der Handel mit Hunden und Katzen inzwischen ein Milliardengeschäft geworden ist. Das hat auch schlimme Züchter angelockt und dazu geführt, dass vier von fünf unter fragwürdigen Umständen entstandene Heimtiere krank in neue Hände kommen. Die EU will den Tierschutzverbrechern nun den Kampf ansagen.

So sollen alle Hunde und Katzen künftig per Microship identifiziert werden können, um auf diese Weise die Rückverfolgung zu erleichtern und auf die Einhaltung der Vorschriften zu drängen, wonach sie geimpft, behandelt und untersucht sein müssen, bevor sie verkauft werden dürfen. Sie müssen zudem mindestens zwölf Wochen alt sein, dürfen nur unter angenehmen Bedingungen von 20 bis 25 Grad und 30 bis 70 Prozent Luftfeuchtigkeit transportiert werden und müssen dabei Futter und Wasser zur Verfügung haben.

Teil des Tierwohl-Paketes ist aber auch der Transport von Nutztieren. Davon sind Jahr für Jahr europaweit 1,6 Milliarden Tiere betroffen. Große Tiere dürfen nach den Vorstellungen der Kommission künftig maximal zwei Mal 21 Stunden transportiert werden, wenn dazwischen eine Pause von einem Tag liegt. Steigt die Außentemperatur über 25 Grad, sind bei allen transportierten Tieren nur neun Stunden erlaubt, überschreitet sie 30 Grad, dürfen sie nur nachts gefahren werden und brauchen dann auch ein Fünftel mehr Platz. Auch bei Minustemperaturen gelten maximal neun Stunden. Im letzten Fünftel ihrer Schwangerschaft sind Tiere vom Transport ausgeschlossen, und auch noch nicht entwöhnte Jungtiere dürfen nur zwei Mal neun Stunden mit eintägiger Unterbrechung unterwegs sein und müssen alle neun Stunden mit Milch oder Milchersatz gefüttert werden.

Die hier im Kommissionsentwurf vermerkte Ausnahme für den Seetransport verweist bereits auf einen von zahlreichen Anlässen für Kritik von Tierschutzorganisationen. So mahnt etwa an dieser Stelle die Tierschutz-Stiftung „Vier Pfoten“ einen dringenden Nachbesserungsbedarf an. Die Kommissionsvorschläge würden nichts gegen das massive Tierleid auf Langstreckentransporten bewirken. Selbst grausame Schiffstransporte würden immer noch als zeitlich unbegrenzte „Pausenzeit“ gerechnet.

Und auch bei einer anderen Form der Tierzucht legte sich die Kommission noch nicht fest. Sie will vor einem möglichen Verbot von Pelzfarmen und Pelzhandel erst einmal weitere wissenschaftliche Gutachten anfordern, um in zwei Jahren Vorschläge folgen zu lassen. Eine europaweite Kampagne mit Millionen Unterstützern erhält von der Kommission lediglich die Antwort, dass sie einem Verbot von Haltung und Tötung von Tieren zur Pelzgewinnung offen gegenüberstehe.

Für die EVP begrüßte Landwirtschaftsexpertin Marlene Mortler den Kommissionsvorschlag im Vorgehen gegen den illegalen Welpenhandel. Tierheimbetreiber hätten immer wieder auf die Missstände hingewiesen. Nun soll es erstmals EU-weite Mindeststandards für Zucht, Haltung und Versorgung von Haustieren geben. Die Behörden sollen den Handel besser kontrollieren können, weil automatisierte Prüfungen von Online-Verkäufen eingeführt werden. Zudem müssen Personen, die Tiere verkaufen, zertifiziert und registriert sein. Schließlich will die EU für den Import aus dem EU-Ausland gleichwertige Standards vorschreiben.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) nannte es zwar „gut, dass die Kommission jetzt endlich einen Vorschlag für weitere Regelungen bei Tiertransporten gemacht“ habe. Tierschutz bei Transporten dürfe nicht an Ländergrenzen haltmachen. Zugleich bedauerte er, dass die Kommission entgegen ihres Versprechens keine Vorschläge für mehr Tierschutz bei der Haltung und Schlachtung vorgelegt habe. Bessere europäische Mindeststandards hätten den Tierschutz hier deutlich nach vorne bringen können.

Özdemir hat es mit in der Hand, die Lücken im Gesetzespaket selbst aufzufüllen. Denn der Entwurf der Kommission geht nun an die Mitgesetzgeber Parlament und Rat, die ihrerseits eigene Positionen dazu entwickeln. Ob das so schnell geht, dass die neuen Regelungen noch vor den EU-Wahlen Anfang nächsten Jahres im Europäischen Gesetzblatt stehen, gilt als ungewiss. In der Zwischenzeit will die Kommission weitere Tierschutz-Initiativen auf den Weg bringen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort