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Euro-Finanzminister sprechen über Schuldenrückkauf: Seehofer schließt Schuldenschnitt für Athen aus

Euro-Finanzminister sprechen über Schuldenrückkauf : Seehofer schließt Schuldenschnitt für Athen aus

Während Athen zu Wochenbeginn den Schuldenrückkauf starten will und die Euro-Finanzminister bei ihrem Treffen in Brüssel über Griechenland beraten werden, hat CSU-Chef Horst Seehofer erneut kategorisch einen Schuldenschnitt für das klamme Mittelmeerland ausgeschlossen.

Seehofer stellt sich mit seinem Nein zum Schuldenschnitt für das von der Staatspleite bedrohte Griechenland in Gegensatz zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Ein Schuldenschnitt "wäre die völlig falsche Antwort", sagte der bayerische Ministerpräsident der "Passauer Neuen Presse". "Wer soll noch mit Nachdruck sparen und reformieren, wenn er sich darauf verlassen kann, dass Schulden erlassen werden?"

Seehofer lehnte ein von Merkel (CDU) angedeutetes Umschwenken in der Frage des Schuldenschnitts ab. "Das ist für mich ein Punkt, den die CSU nicht mitmachen kann." Merkel hatte am Wochenende einen Schuldenschnitt für Griechenland in den kommenden Jahren nicht mehr ausgeschlossen. "Wenn Griechenland eines Tages wieder mit seinen Einnahmen auskommt, ohne neue Schulden aufzunehmen, dann müssen wir die Lage anschauen und bewerten", sagte die Kanzlerin der "Bild am Sonntag". Dies sei aber "nicht vor 2014/15 der Fall, wenn alles nach Plan läuft".

Über einen Schuldenschnitt für Griechenland wird in der Eurozone heftig diskutiert. Befürworter argumentieren damit, dass Athen nur durch eine solche Maßnahme wieder auf die Beine kommen könne. Zu den vehementen Gegnern zählte bisher die Bundesregierung.

Euro-Finanzminister sprechen über Schuldenrückkauf

Die Euro-Finanzminister beraten am Montag über den griechischen Schuldenrückkauf. Bei dem Treffen in Brüssel will Griechenlands Finanzminister Ioannis Stournaras über das Programm berichten, das zu Wochenbeginn starten soll. Der Plan: Die griechische Regierung kauft eigene Anleihen zurück, um die Schuldenlast zu drücken. Damit das gelingt, müssen sich genügend Anleger von griechischen Schuldscheinen trennen. Ein Erfolg ist Voraussetzung für die Freigabe weiterer Milliardenhilfen der internationalen Geldgeber an Athen.

Das Programm gehört zu einem Maßnahmenbündel, das die Euro-Finanzchefs vor einer Woche zur Absicherung des laufenden Hilfsprogramms für Griechenland von 130 Milliarden Euro beschlossen hatten.

Für den Schuldenrückkauf sollen rund zehn Milliarden Euro in die Hand genommen werden. Diese werden aus dem laufenden Programm finanziert, eventuell auch über eine Vorfinanzierung durch den Rettungsfonds EFSF. Zuletzt hielten Privatanleger griechische Staatsanleihen von etwa 62 Milliarden Euro. Ihnen soll nun ein Rückkaufangebot gemacht werden.

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Die Ergebnisse der Rückkaufaktion werden Mitte Dezember erwartet. Dann wollen die Euro-Finanzminister - voraussichtlich am 13. Dezember - und der Internationale Währungsfonds (IWF) über die Auszahlung weiterer Hilfen von rund 44 Milliarden Euro aus dem laufenden Rettungspaket entscheiden.

Die Euro-Finanzminister werden bei ihrem Treffen auch über das geplante Hilfsprogramm von etwa 17,5 Milliarden Euro für den Inselstaat Zypern beraten. Mit endgültigen Beschlüssen ist aber nicht zu rechen, da ein wichtiges Gutachten zur Lage des angeschlagenen Bankensektors noch fehlt.

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(dpa)