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Freie Wähler wollen bundesweite Größe werden: Reicht die Bekanntheit der Gabriele Pauli für Brüssel?

Freie Wähler wollen bundesweite Größe werden : Reicht die Bekanntheit der Gabriele Pauli für Brüssel?

München (RPO). Die vergangenen Wochen der Gabriele Pauli glichen ein wenig der Tournee einer in die Jahre gekommenen Rocksängerin, die mit ihrem einstigen Ruhm noch einmal die Leute anzuziehen versucht.

Auf eher kleinen Bühnen in Eschweiler, Greven oder Müritz, aber auch in Berlin, Hamburg oder Köln versuchte die frühere CSU-Landrätin, mit Angriffen auf angeblichen Lobbyismus in Brüssel zu punkten.

Als Spitzenkandidatin der Freien Wähler tut sich die 51-Jährige aber deutlich schwerer, ihr Publikum zu finden, als als parteininterne Gegnerin von Edmund Stoiber. Dass sie die Freien Wähler über die Fünf-Prozent-Hürde nach Brüssel hieven kann, scheint eher unwahrscheinlich.

Seit Pauli vor einem Jahr den Freien Wählern beigetreten ist, herrscht dort Aufbruchsstimmung. Die Wählergemeinschaften, die in den Kommunen seit Jahren erfolgreich Lokalpolitik machen, hatten auf einmal ein bundesweit bekanntes Zugpferd.

"Pauli-Faktor"

Bis heute ist unklar, wie groß dieser "Pauli-Faktor" bei der bayerischen Landtagswahl im September war. Während die CSU abstürzte, wurden die Freien Wähler unerwartet mit 10,2 Prozent drittstärkste Kraft. Die damals in Nürnberg angetretene Pauli sitzt seitdem im bayerischen Landtag.

Die Sensation im Freistaat beflügelte die Phantasien bei vielen der früher eher behäbigen Freien Wähler. Allen voran der bayerische Landesverband unter dessen Chef Hubert Aiwanger - ursprünglich ein erklärter Gegner von Paulis Landtagskandidatur - sieht auf einmal ein Gegengewicht zur Union heranwachsen. Seit der Teilnahme an der Wahl des Bundespräsidenten im Mai seien die Freien Wähler in der Bundespolitik angekommen, sagte Aiwanger. "Wir können uns vorstellen, auf dieser Bühne dauerhaft dabei zu sein."

"Ich bin guter Dinge"

Doch in den Umfragen zur Europawahl spielen die Freien Wähler bisher keine Rolle, wie ihr Bundesvorsitzender Armin Grein eingestehen muss. Er habe schon bei allen Forschungsinstituten angerufen und darum gebeten, die Zustimmungswerte zu den Freien Wählern auch zu nennen. Doch überall sei er abgeschmettert worden.

Nun versucht Grein, der bei der Europawahl auf Listenplatz zwei hinter Pauli antritt, die von einem Institut gemessenen acht Prozent für alle sonstigen Parteien in erster Linie den Freien Wählern zuzuschlagen. "Ich bin guter Dinge, dass wir die Fünf-Prozent-Hürde schaffen", sagt der 70-Jährige bemüht optimistisch. Dabei schwärmt er von Pauli, die im Wahlkampf "große Erfolge" gehabt habe.

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Das Ergebnis der Europawahl wird ganz entscheidend dafür sein, welchen weiteren Weg die Freien Wähler nehmen. Denn die Bewerbung für Brüssel ist nicht unumstritten, vor allem der hinter Bayern zweitstärkste Landesverband Baden-Württemberg hätte gerne darauf verzichtet und sich weiter allein auf die Kommunalpolitik konzentriert. Sollte es am Sonntag eine Schlappe geben, werden wegen der drohenden Spaltung innerhalb der Freien Wähler wohl auch alle Bemühungen um einen Einzug in den Bundestag begraben.

Bikertour als Wahlkampfauftritt

"Wenn wir die fünf Prozent nicht überspringen, dann werden wir uns sehr schwer tun, für die Bundestagswahl zu kandidieren", sagt Grein. Die Entscheidung über eine mögliche Teilnahme an der Bundestagswahl, für die die Freien Wähler sich erst noch als Partei eintragen müssten, soll kurz nach der Europawahl fallen.

Gabriele Pauli wird dem Ergebnis am Sonntag gelassen entgegen blicken können. Alleine ihre Nominierung zur Spitzenkandidatin hat gezeigt, welche wichtige Rolle die frühere CSU-Rebellin inzwischen für die Freien Wähler spielt. Dabei macht sie gar nicht so vieles anders als früher: Am Pfingstmontag etwa bretterte die 51-Jährige mit ihrem Motorradclub 1. AMC Zirndorf auf ihrer roten Ducati Monster von Fürth nach Leutenberg in Thüringen. Nur, dass die alljährliche Bikertour in diesem Jahr Wahlkampfauftritt hieß.

(AFP)