EU-Parlament befürwortet Initiative Wird Düsseldorf erste Kinderhauptstadt Europas?

Brüssel · In der EU soll es künftig jedes Jahr eine Kinderhauptstadt geben, für die sich Städte bewerben. FDP-Spitzenkandidatin Strack-Zimmermann hat auch schon eine Idee, wer sich als erstes bewerben sollte.

Abstimmung im Plenarsaal des Europaparlamentes in Straßburg.

Abstimmung im Plenarsaal des Europaparlamentes in Straßburg.

Foto: Europäisches Parlament/Mathieu CUGNOT

Am Anfang war es nur eine schlichte Frage, die sich der langjährige Hamburger Journalist Jan Haarmeyer stellte, als er sich ehrenamtlich mit Musik-, EU- und Geschichtswerkstätten an Schulen engagierte. Wenn es eine europäische Kulturhauptstadt gibt, für die sich viele Städte chic machen und in einen strengen Wettbewerb um kulturelle Vielfalt vor Ort treten, warum soll es dann nicht auch eine europäische Kinderhauptstadt geben? Er fragte zuerst in seinem Umfeld, dann in der lokalen, der regionalen und schließlich der europäischen Ebene. Und stets war die Antwort dieselbe: Sollten wir machen. Das Europaparlament hat inzwischen die EU-Kommission mit überwältigender Mehrheit aufgefordert, mit den Vorbereitungen zu starten. Vermutlich wird das Projekt zu den ersten Vorhaben der neuen Kommission nach den Wahlen im Juni gehören.

Vor vier Jahren hat Haarmeyer einen Verein gegründet, um die Initiative von der Idee zur Tat zu bringen. Nach seiner Vorstellung könnten pro Land rund 250 Kinder aus den Klassen fünf bis acht an solchen Begegnungen teilnehmen. Das wären dann zehn Klassen pro Land, die sich ein Jahr vorher bewerben, um mit Aktionen, Filmen, Musik oder Theaterstücken mit Europa-Bezug dabei zu sein. Das zehn bis 14 Tage lange Programm wäre dann „bunt und laut und vielfältig“, bestünde etwa aus kulturellen und sportlichen Veranstaltungen, aus Workshops über Themen wie Alltag und Armut, Digitales und Klimaschutz, Flucht und Heimat, Stadtentwicklung und Demokratie, Planspielen für die kindgerechte Stadt, Diskussionen untereinander und mit Politikern.

Städte, die sich um den Titel bewerben, sollten den Beweis antreten, dass sie Kinder ernst nehmen, dass sie Kinder einbinden, wenn es um Chancengleichheit, Bildungszugang und Stadtplanung geht. In der europäischen Kinderhauptstadt ginge es um ein jährliches Vorbild. Mit diesem Konzept konnte Haarmeyer in Brüssel sofort viele einflussreiche Europapolitiker von EVP-Chef Manfred Weber bis SPD-Spitzenkandidatin Katarina Barley überzeugen, die sich gemeinsam dafür einsetzten, das Thema auf die Tagesordnung zu nehmen. Die Vizechefin der europäischen Sozialdemokraten im Europaparlament, Gaby Bischoff, ergriff die Initiative zu einer Resolution, die gemeinsam von Christdemokraten, Sozialdemokraten, Liberalen, Grünen und Linken eingebracht wurde, um das Projekt so schnell wie möglich in die Realität umzusetzen.

„Wir brauchen eine europäische Kinderhauptstadt, weil junge Europäerinnen und Europäer unsere Zukunft sind, aktuell aber viel zu wenig gesehen und gehört werden“, erläutert Bischoff. Mit ihrer Resolution fordere das Parlament dazu auf, jedes Jahr eine neue europäische Kinderhauptstadt zu ernennen, die „das Wohlergehen der Kinder, ihre Rechte und Teilhabe in den Mittelpunkt stellt“. Es gehe um einen Austausch über die Situation der Kinder in Europa, über innovative Projekte und Initiativen, die die Kinder stark machen könnten. „Die europäische Kinderhauptstadt soll ein Fest der Begegnung werden“, unterstreicht Bischoff.

Viele Vorteile sieht auch die Vorsitzende des Kulturausschusses des EU-Parlamentes, die Aachener CDU-Europaabgeordnete Sabine Verheyen: „Eine Kinderhauptstadt würde den Kindern eine physische Plattform bieten, um ihre Anliegen zu äußern und Ideen zu teilen.“ Zudem hätten sie die Möglichkeit, die EU spielerisch kennenzulernen und Demokratie hautnah zu erleben. Durch die Begegnung von Kindern aus verschiedenen Ländern und Hintergründen könnte schon in jungen Jahren das interkulturelle Verständnis gefördert werden, was Grundlage für ein friedliches und harmonisches Zusammenleben in der EU sei. Die europäische Kinderhauptstadt wäre nach ihrer Überzeugung eine logische Ergänzung zur erfolgreichen Initiative der europäischen Jugendhauptstadt. „Es ist von unschätzbarem Wert, die Gedanken, Ideen und Bedürfnisse der jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft anzuhören“, betont Verheyen.

Auch der Deutsche Städtetag hält das Projekt für eine „wirklich gute Idee“, wie die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin Verena Göppert betont. „Es kann gar nicht genug Gelegenheiten geben, bei denen sich Kinder und Jugendliche aus europäischen Ländern austauschen und miteinander in Kontakt kommen können“, sagt Göppert unserer Redaktion. Die Kinderhauptstadt würde den Austausch zusätzlich stärken und öffentlich in den Fokus rücken. „Das hilft auch den bereits laufenden Projekten und Initiativen“, so Göppert. Die neue Kommission solle nach ihrer Empfehlung die Idee weiter vorantreiben.

„Kinder sind unsere Zukunft – ebenso wie Europa, eine andere haben wir nicht“, unterstreicht die FDP-Spitzenkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Umso mehr müsse die kommende Generation bereits früh für das Projekt Europa gewonnen werden. Und sie macht es konkret: „Als glühende Europäerin und Einwohnerin Düsseldorfs, der rheinischen Metropole im Herzen Europas, kann ich unsere Landeshauptstadt nur dazu ermuntern, sich hierfür zu bewerben und voranzugehen“, sagt die Spitzenkandidatin auch der Europa-Liberalen unserer Redaktion. „Gerade Düsseldorf als weltoffene und moderne Stadt bietet viele Möglichkeiten für unsere Kinder und Enkel“, meint Strack-Zimmermann. Der Titel als europäische Kinderhauptstadt wäre ein toller Startschuss und eine große Motivation noch mehr zu tun und eine Vorreiterrolle zu übernehmen.

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