Widerstand der Christdemokraten Das sagen deutsche Wissenschaftler zur Kritik am EU-Naturschutzgesetz

Straßburg · Christdemokraten im EU-Parlament stellen sich gegen ein geplantes Naturschutzgesetz. Allerdings halten ihre Argumente dem Wissen von Experten nicht stand.

Eine Biene auf einer Wiese mit blühendem Klatschmohn (Symbolbild).

Eine Biene auf einer Wiese mit blühendem Klatschmohn (Symbolbild).

Foto: dpa/Thomas Warnack

Vor einer entscheidenden Abstimmung drängen Wissenschaftler deutscher Forschungseinrichtungen die EU-Parlamentarier, einem wichtigen EU-Naturschutzgesetz zuzustimmen. Dieses steht unter Druck, weil Christdemokraten im EU-Parlament Sturm gegen das Vorhaben laufen. Sie sehen dadurch etwa die Ernährungssicherheit gefährdet. Das Gesetz schränke die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen ein, sagte die CDU-Europaabgeordnete Christine Schneider am Mittwoch. Sie betonte auf Nachfrage, Ernährungssicherung bedeute für sie auch, dass Lebensmittel bezahlbar seien.

Helge Bruelheide, Professor für Geobotanik an der Universität Halle, widerspricht der These, dass das Vorhaben eine sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln gefährde. „Die größten Gefahren für die Ernährungssicherheit, sie alle gehen auf den Klimawandel zurück“, sagte er am Mittwochabend vor Journalisten. Und das Gesetz hilft Bruelheide zufolge dessen Folgen für die Landwirtschaft abzumildern.

Auch Forschende des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, der Uni Rostock und der Uni Duisburg-Essen sprachen sich entschieden für das Projekt aus. Gemeinsam mit mehr als 3000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschrieben sie einen offenen Brief dazu (Den kompletten Brief gibt es als PDF auf Englisch).

Das „Gesetz zur Wiederherstellung der Natur“ soll Ökosysteme vor dem Kollaps bewahren. Es zielt darauf, trockengelegte Moore wieder zu vernässen, Wälder aufzuforsten und mehr Grün in Städte zu bringen.

CDU-Politikerin Schneider stört sich daran, dass es nicht klar sei, wie sich die Gesetzgebung genau auf Preise und Produktion von Lebens- und Futtermitteln auswirken könnte. Sebastian Lakner von der Uni Rostock sagte, es sei schwierig, solche Vorhersagen über Lebensmittelpreise zu treffen. Er gehe lediglich von kleinen Einbußen bei Ernten aus. Phänomene wie Extremwetter seien deutlich schädlicher. Wenn es am Donnerstag keine Mehrheit für das Umweltgesetz gibt, droht es, lange Zeit auf Eis zu liegen.

(peng/dpa)