Nachfolger für Jörg Asmussen gesucht - Wolfgang Schäuble schlägt Sabine Lautenschläger vor

EZB-Nachfolger für Asmussen gesucht : Schäuble: Lautenschläger sicher gute Überlegung

Die neue Bundesregierung will nach Angaben von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zügig über die Nachfolge von Jörg Asmussen im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) entscheiden. "Wer nun Nachfolger bei der EZB wird, das werden wir sorgfältig schnell beraten", sagte Schäuble am Montag im Deutschlandfunk.

"Wir werden einen Vorschlag machen, der muss im Übrigen dann ja auch die Zustimmung der Anderen in Europa finden." Als mögliche Nachfolgerin gilt Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger. Die 49-jährige Juristin hat sich bisher vor allem bei der Bankenaufsicht einen Namen gemacht. Aus Sicht von Schäuble wäre Lautenschläger eine gute Kandidatin. "Es geht ja bei der EZB jetzt auch darum, die Aufgabe der Bankenaufsicht neu aufzubauen, und da hat sie ganz große Erfahrungen", sagte Schäuble: "Deswegen ist das sicherlich eine gute Überlegung."

... und Jörg Asmussen geht. Foto: Soeren Stache

Asmussen wird künftig Staatssekretär im Arbeitsministerium unter Andrea Nahles (SPD). Der Finanzexperte und SPD-Politiker führt familiäre Gründe für seine überraschende Rückkehr in die Bundesregierung an. Er war erst 2011 vom Finanzministerium in die EZB-Spitze gewechselt - als Nachfolger von Chefvolkswirt Jürgen Stark, der sich im Streit vorzeitig zurückzogen hatte.

EZB-Chef Mario Draghi bekräftigte sein Bedauern über den Abgang Asmussens. Der Weggang sei ein "enormer Verlust", sagte Draghi vor dem Europäischen Parlament in Brüssel. Asmussens Arbeit für die EZB sei "von unschätzbarem Wert" gewesen, ein Ersatz müsse so schnell wie möglich bestimmt werden.

Asmussen tritt weit vor Ablauf seines - eigentlich bis Ende 2019 laufenden - EZB-Vertrages ab. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte aber bereits klar gestellt, dass Deutschland eine Nachbesetzung in der EZB anstrebe. Es gilt als ausgemacht, dass die größte Volkswirtschaft auch weiter in der EZB-Spitze vertreten sein wird - zwangsläufig ist es aber nicht.

Zunächst muss nach Angaben des Finanzministeriums der EZB-Präsident per Brief unter anderem die Euro-Gruppe über die vakante Stelle informieren. Die Nachfolge-Regelung sei keine Angelegenheit von vielen Monaten, aber auch keine von wenigen Tagen.

(dpa)