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Nach Brexit: Nigel Farage sieht Zerstörung der EU als nächste Aufgabe

Nach Austritt Großbritanniens : Brexit-Wegbereiter Farage sieht Zerstörung der EU als nächste Aufgabe

Mit dem Brexit ist es für den Rechtspopulisten Nigel Farage noch nicht getan. Der Noch-EU-Abgeordnete will nach dem Austritt Großbritanniens weiter Maßnahmen gegen die EU unterstützen.

Der Kampf für den Brexit war für Nigel Farage eine Lebensaufgabe. Diese Mission sieht der 55-Jährige mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU am kommenden Freitag als erfüllt an. Ruhe geben will der selbsterklärte Störenfried aber nicht. Er werde weiter an der Zerstörung der „anti-demokratischen“ EU arbeiten, kündigte er am Mittwoch an.

„Ich bin vollständig gegen die Europäische Union in ihrer jetzigen Form, ich will sehen, wie sie abgerissen wird“, sagte der Politiker gut gelaunt bei seiner letzten Brüsseler Pressekonferenz als EU-Abgeordneter. Sein Ziel sei nun, „dass Europa die EU verlässt.“ Entsprechende Bestrebungen etwa in Dänemark, Polen und Italien werde er unterstützen.

Politisch habe sich in seinem Leben „absolut alles“ um den Brexit gedreht, sagt er. Seit der Gründung der rechtspopulistischen United Kingdom Independence Party (Ukip) 1993 kämpfe er dafür.

Gemäßigten Konservativen galt der starke Raucher und Trinker, der gern mit einem Bier in der Hand und einer Zigarette zwischen den Lippen seine Volkstümlichkeit demonstriert, stets als zu radikal und kontrovers. Sein Image und das britische Mehrheitswahlrecht verhinderten acht Mal seinen Einzug ins Londoner Unterhaus.

Ironischerweise war es die verhasste EU, die ihm zunächst die erhoffte Bühne bot. Das Verhältniswahlrecht der EU-Wahl ermöglichte Farage 1999 erstmals den Einzug ins Europaparlament. Bis zum Brexit blieb er ohne Unterbrechung EU-Parlamentsabgeordneter. Wie andere Rechtspopulisten auch sah er keinen Widerspruch darin, in Brüssel und Straßburg gut bezahlt gegen die EU-Institutionen zu hetzen.

2010 ergriff Farage die Ukip-Parteiführung und wurde bald zum Gesicht der Partei. Bei der Europawahl 2014 wurden die Nationalisten erstmals stärkste Kraft, was Farage die Ausrufung zum „Briten des Jahres 2014“ durch die „Times“ einbrachte.

Dass sein EU-Mandat ihm anfangs enorm half, seine Botschaft unters Volk zu bringen, bestreitet Farage nicht. „Aber dann wurde YouTube erfunden“, sagt er freimütig. Das Aufkommen der sozialen Medien habe vieles verändert.

Bei der Bekanntgabe des Ergebnisses des Brexit-Referendums von 2016 hatte Farage Freudentränen in den Augen. Es war sein Sieg. Parteipolitisch trat er anschließend zunächst kürzer, reiste in die USA, um dort Präsidentschaftskandidat Donald Trump in seinem Wahlkampf zu unterstützen.

Die feststeckenden Verhandlungen über ein Austrittsabkommen Großbritanniens mit der EU riefen ihn erneut in Europa auf den Plan. Der Brexit wurde mehrmals verschoben. Die Opposition in Westminster liebäugelte mit einem weiteren Referendum – eine Aussicht, vor der er sich gefürchtet habe, gestand Farage nun ein. Im Frühjahr 2019 gründete er die Brexit-Partei, die bei der EU-Wahl im Mai stärkste Kraft wurde.

Bei der Unterhauswahl im vergangenen Dezember unterstützte Farage offen den harten Brexit-Kurs von Premierminister Boris Johnson. Am liebsten hätte er zwar einen „klaren Schnitt“, einen harten Brexit ohne Abkommen gehabt, sagt er. Aber Johnson sei auf dem richtigen Weg. „Wir werden die Regierung weiterhin überwachen“, kündigt Farage an.

(c-st/AFP)