Kommentar: Ursula von der Leyen und Christine Lagarde könnten Europa endlich stärken

Postengeschacher in der EU : Zwei Frauen an der Spitze könnten Europa endlich stärken

Der Weg zur Nominierung der EU-Spitzenposten war chaotisch. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die beiden neuen Frauen an der Spitze Europas könnten die Institutionen stärken.

Ein gespaltenes Europa, ein gedemütigtes Parlament, ein übles Postengeschacher. Man kann das Ergebnis der jüngsten Suche nach dem künftigen Spitzenpersonal für die Europäische Union (EU) so sehen. Man muss aber nicht. Denn wenn sich der durch das hektische Hin und Her aufgewirbelte Staub etwas gelegt hat, sind recht klare Linien für die künftige Europapolitik zu sehen.

Mit der Kür der beiden Frauen Ursula von der Leyen und Christine Lagarde ist der Kanzlerin und auch dem ihr nicht immer so zugewandten Mitstreiter Macron eine kleine Sensation gelungen. Zwar sind beide wie die großen Albatrosse ziemlich tolpatschig gelandet, aber danach fragt bald niemand mehr, wenn das neue Duo Europa vielleicht zu neuer Stärke führt.

Gut, mit dem Doppelpaket holen Deutschland und Frankreich ein bisschen von ihrer verlorenen Dominanz zurück. Aber beide Frauen sind unabhängig genug, um auch nur ansatzweise nationale Interessen zu vertreten. Sie dürften in ihren Positionen wachsen, ihnen sogar zu neuem Ansehen verhelfen.

Bleiben das gedemütigte Parlament und das unwürdige Geschacher. Die beiden einstigen Volksparteien, die konservative EVP und die sozialdemokratische S&D konnten sich ohne absolute Mehrheit nicht auf einen der beiden Spitzenkandidaten einigen. Damit waren auch im Parlament weder der CSU-Politiker Manfred Weber noch der niederländische Sozialist Frans Timmermans durchsetzbar. Ein starkes Signal für die Spitzenkandidatur haben die demokratischen Parteien des EU-Parlaments deshalb verpasst.

Ihnen bleibt jetzt nur noch, im Gegenzug für die Zustimmung einen neuen EU-Vertrag mit Verankerung der Spitzenkandidatur einzufordern. Damit würde das EU-Parlament aktiver die Besetzung der Exekutive bestimmen. Und die unselige Zockerei der Mächtigen um die europäischen Spitzenjobs wäre vorbei.

Mehr von RP ONLINE