EU-Kommission: Kennzeichnung reicht trotz Pferdefleisch-Skandals aus

EU-Kommission : Kennzeichnung reicht trotz Pferdefleisch-Skandals aus

Trotz des Pferdefleisch-Skandals hält die EU-Kommission eine Änderung der Kennzeichungsregeln für Fertigprodukte mit Fleisch für unnötig. Es sei "verfrüht", Angaben über die Herkunft verarbeiteten Fleischs verpflichtend zu machen, sagte am Dienstag der Sprecher von Verbraucherschutz-Kommissar Tonio Borg.

Der Tiefkühlproduzent Findus lieferte nach eigenen Angaben keine Gerichte aus Pferdefleisch nach Deutschland.

Während seit dem Auftreten der Rinderkrankheit BSE die Herkunft frischen Rindfleisches im Handel angegeben werden muss, reicht auf Fertigprodukten die Angabe, welches Fleisch verarbeitet wurde - nicht jedoch, woher es stammt. Dabei will es Borg vorerst belassen. Die Regeln zur Zurückverfolgbarkeit von Fleisch funktionierten, verteidigte der Kommissionssprecher bestehende Bestimmungen zum Umgang mit Fleisch.

Borg berät am Mittwoch auf EU-Ebene über die Folgen des Skandals. Da Deutschland bisher nicht betroffen ist, plant die Bundesregierung nach Angaben von EU-Diplomaten keine Teilnahme.

Demnach wollen Vertreter Großbritanniens, Frankreichs, der Niederlande, Luxemburgs und Rumäniens nach Brüssel kommen. Der Pferdefleisch-Skandal soll zudem auf der Tagesordnung des nächsten Treffens der EU-Landwirtschaftsminister Ende Februar stehen.

Schnelle und lückenlose Aufklärung

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) forderte eine schnelle und lückenlose Aufklärung des Skandals. Die Verbraucher müssten sich darauf verlassen können, dass in Produkten das enthalten sei, was auf der Verpackung stehe, sagte sie der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch. "Wenn Kunden offenbar systematisch getäuscht werden, darf das nicht ohne Konsequenzen bleiben."

In dem aktuellen Skandal geht es um Fertiglasagne des britischen Unternehmens Findus, die anders als auf der Verpackung angegeben kein Rindfleisch, sondern Pferdefleisch enthielten.

Das Fleisch gelangte aus Rumänien nach Frankreich, wo es für Findus verarbeitet wurde. Supermärkte in Großbritannien, Frankreich und Schweden nahmen Millionen Tiefkühlgerichte aus ihren Regalen. Am Dienstag zogen Supermärkte in den Niederlanden und der Schweiz nach.

"Deutsche Verbraucher haben keine Findus-Produkte aus Pferdefleisch gegessen", sagte Unternehmenssprecher Henrik Nyberg dem "Tagesspiegel" vom Dienstag. Findus war vom französischen Produzenten Comigel beliefert worden. Dieser hat Abnehmer in 16 Ländern.

Das Bundesverbraucherschutzministerium hatte am Montag mitgeteilt, es gebe keine Hinweise darauf, dass als Rindfleisch ausgewiesene Tiefkühlprodukte mit Pferdefleisch auch in Deutschland auf den Markt gekommen seien.

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(AFP/csr/das)