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DGB-Studie zur Jugendarbeitslosigkeit in Europa: Kampf um die "verlorene Generation"

DGB-Studie zur Jugendarbeitslosigkeit in Europa : Kampf um die "verlorene Generation"

Um die hohe Arbeitslosenquote bei Jugendlichen besonders in Südeuropa zu bekämpfen, fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mehr Einsatz von Seiten der Politik. Die jüngsten Zahlen zeigen, wie daramatisch die Situation ist.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat mehr Anstrengungen im Kampf gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa gefordert. "Die Situation ist alarmierend", sagte die scheidende DGB-Vizevorsitzende Ingrid Sehrbrock am Mittwoch in Berlin. "Wirtschaft und Politik müssen eine verlorene Generation in Europa verhindern."

Ausdrücklich begrüßte sie die vom europäischen Rat beschlossene Jugendgarantie: Sie soll jungen Menschen verbindliche Angebote für einen Berufsabschluss oder eine Beschäftigung sichern. Dazu hatten die EU-Staaten Ende Februar beschlossen, sechs Milliarden Euro bereit zu stellen. Die EU-Kommission legte in dieser Woche Vorschläge zur Umsetzung der Beschäftigungsgarantie vor.

Extrem hohe Quote bei Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa

"Die Jugendgarantie darf kein Blendwerk sein", mahnte Sehrbrock. Praktika dürften deshalb nach einem erfolgreichen Studium oder Berufsabschluss in das Programm nicht mit einbezogen werden. Dieses müsse vielmehr "von einer Wirtschaftspolitik begleitet werden, die Abstand nimmt von einseitiger Sparpolitik und stattdessen auf ein langfristig angelegtes Konjunktur-, Investitions- und Aufbauprogramm setzt."

Sehrbrock verwies auf die extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland (59,4 Prozent), Spanien (55,5 Prozent) und Portugal (38,6 Prozent). Deutschland liegt mit einer Quote von 7,9 Prozent am unteren Ende der EU Mitgliedsländer.

In den Krisen-Ländern Südeuropas hat die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen damit Rekordausmaße erreicht. Die Zahlen der DGB-Studie decken sich mit den jüngsten Zahlen der Statistikbehörde Eurostat. Danach waren in Griechenland im Dezember 58,4 Prozent der Jugendlichen ohne Arbeit. Auch in Spanien war im Januar mehr als jeder Zweite (55,5 Prozent) unter 25 Jahren ohne Job. In Italien (38,7 Prozent), Portugal (38,6 Prozent) und der Slowakei (35,9 Prozent) hatte im Januar jeder Dritte in dieser Altersgruppe keine Arbeit.

Seit Ausbruch der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich die Situation europaweit erheblich verschlechtert. Während die Quote im Herbst 2008 bei 15 Prozent lag, sind derzeit in ganz Europa 23,6 Prozent und in der Euro-Zone 24,2 Prozent der Jungen arbeitslos. Zum Vergleich: Unter allen Beschäftigten waren im Januar EU-weit 10,8 Prozent und in der Euro-Zone 11,9 Prozent ohne Job.

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IG Metall will Sofort-Programm für ganz Europa

Unterdessen hat auch die IG Metall zum bevorstehenden EU-Gipfel einen stärkeren Einsatz der Gemeinschaft gegen die Jugendarbeitslosigkeit verlangt. "Wenn wir diese Generation sich selbst überlassen, verlieren wir auch ein Stück Europa von Morgen", erklärte Gewerkschaftschef Berthold Huber am Mittwoch in Frankfurt.

Man benötige dringend einen Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs zur Jugendarbeitslosigkeit und ein europäisches Sofortprogramm. "In der Krise wurden über Nacht milliardenschwere Programme zur Bankenrettung aufgelegt. Warum spannen die Staats- und Regierungschefs nicht einen Rettungsschirm für junge Menschen und deren Arbeit und Ausbildung?", fragte der Chef der größten Einzelgewerkschaft Europas.

(dpa)