Robert Menasse über Europa „Ich muss fast kotzen bei der Vorstellung“

Interview | Brüssel · Der Wiener Schriftsteller Robert Menasse plädiert vor der Europawahl dafür, die EU der Nationalstaaten zu überwinden. Ein langer Abend in der Hauptstadt Brüssel, mit geschmorten Hasen und getöteten Kröten, Herbert Kickl und Nationaltrikots bei der EM.

Der Wiener Schriftsteller Robert Menasse (69).

Der Wiener Schriftsteller Robert Menasse (69).

Foto: picture alliance/Arne Dedert/dpa

Seine Finger sind grün. Er hat den Tag auf der Buchmesse verbracht und unzählige Exemplare der französischen Übersetzung seines zweiten Europaromans „Die Erweiterung“ signiert. Robert Menasse nutzt dafür einen Füllfederhalter, Farbe: grün.

Es ist der erste Sommerabend in der Hauptstadt, Anfang April, in den Straßencafés trinken die Brüsseler Bier. Er hat in einer Brasserie am Fuße des Berlaymont-Gebäudes reserviert, dem Sitz der EU-Kommission. Der Abend mit dem Wiener Schriftsteller wird intensiv und beginnt draußen, wo man noch rauchen darf.

Sind Sie gerne in Brüssel?

MENASSE Ich mag Brüssel sehr gern, ja. Brüssel ist für mich ein Beispiel, wie stressfrei und anregend verschiedene Kulturen und Sprachen zusammenleben können. Es ist ein europäisches Labor. Wo im Alltag schon durchgespielt wird, was in diesen Glaspalästen versucht wird zu entwickeln, nämlich einen allgemeinen europäischen Rechtszustand, der Freiheit und Gleichheit in Vielfalt ermöglicht.