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Wie junge Menschen die Eurokrise erleben: "Ich fühle mich wie ein Versager"

Wie junge Menschen die Eurokrise erleben : "Ich fühle mich wie ein Versager"

Irland kann das Euro-Rettungsprogramm verlassen, Spanien ebenfalls. Doch noch sind die Probleme der Euro-Krise nicht gelöst. Insbesondere die Jugend musste in den vergangenen Jahren viel erleiden, viele sprechen von der "verlorenenen Generation". Doch was sagen die jungen Menschen selbst? Was haben sie erlebt? Eine amerikanische Zeitung hat nachgefragt.

Die Krise in den EU-Mitgliedsländern dürfte viele Amerikaner nur am Rande interessieren. Schließlich haben sie selbst mit einer kriselnden Wirtschaft zu kämpfen. Die Pleite der einstigen Boom-Stadt Detroit ist nur ein Beispiel dafür. Die "New York Times" hat sich dennoch näher mit der Euro-Krise beschäftigt — und junge Menschen erzählen lassen, was sie in den vergangenen Jahren erlebt haben.

Es sind die Geschichten einer Generation, die oft mit hohen Studienabschlüssen aufwarten kann, aber dennoch keinen (gut bezahlten) Job in der Heimat findet. Viele von ihnen haben Freunde ins Ausland gehen sehen, andere sind selbst gegangen auf der Suche nach einer Perspektive. Es sind Geschichten aus Spanien und Portugal, Geschichten aus Großbritannien und Griechenland und aus all den anderen Ländern, die in unterschiedlichster Weise von der Krise betroffen sind.

Überleben mit einem Kellner-Job

Da ist etwa die 29-jährige Johanna González aus Barcelona, die einen Master in Wirtschaftsrecht hat. Sie erzählt, dass sie für ein paar Unternehmen in Spanien gearbeitet habe, bis sie 2011 ihren Job verlor. Also habe sie sich dazu entschlossen, nach London zu gehen. "Der schnellste Job, den ich bekommen konnte, war als Kellnerin in einem spanischen Restaurant", so die junge Frau. Irgendwann habe sie dann einen Job als Event-Planerin bekommen. Ihre Mutter daheim habe keinen Job. Ihre Schwester, die in Deutschland lebt, und sie unterstützten sie daher.

Auch die 28-jährige Catia Rodrigues aus Portugal verließ ihre Heimat, sucht einen Job oder ein Praktikum in New York. So lange arbeitslos zu sein habe die junge Frau mit einem Journalismus-Master immer mehr an ihrer beruflichen Eignung zweifeln lassen. "Ich habe das Gefühl, ich bin ein Versager", schreibt sie in der "New York Times". Sie ist nicht die einzige, die gegangen ist. Als die Krise begann, habe sie viele Freunde gehen sehen.

Einer, der in seiner Heimat geblieben ist, ist der Grieche George Skivalos. Der 28-Jährige berichtet, dass er als Manager in einem Geschäft in Athen gearbeitet habe, 1300 Euro habe er pro Monat verdient. Doch mit Beginn der Krise im Jahr 2011 sei sein Gehalt um die Hälfte gekürzt worden. Auch er habe daran gedacht, wie viele seiner Freunde nach Großbritannien oder Amerika zu gehen. Dann sei sein Vater gestorben und er geblieben, um seine Mutter zu unterstützen. Ein eigenes Geschäft zu gründen, sei nicht möglich gewesen, weil die Banken keine Kredite vergeben würden.

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Verlorene Jobs, gescheiterte Beziehungen

Viele junge Menschen leiden aber nicht nur beruflich unter der Krise, sondern auch privat. Manch einer musste wieder bei den Eltern einziehen, manch anderer sagt, an Heiraten zu denken und ans Kinderbekommen sei angesichts der wirtschaftlichen Situation einfach nicht zu denken. Und manche Beziehung ist auch zerbrochen an den Problemen. Wie die von Magdalini Christa aus Griechenland, die zunächst in London lebte, dann aber in ihre Heimat zurückkehrte, um dort eine Familie zu gründen.

Doch auch sie verlor in der Krise ihren Job, genau wie ihr Ehemann, der für die Pasok-Partei arbeitete. Irgendwann habe sie sich dazu entschlossen, wieder in London einen Job zu suchen, erzählt sie in der "New York Times", ihr man aber sei in eine schwierige Phase gekommen, die Ehe wurde nach sieben Monaten geschieden. "Ich glaube fest daran, wenn diese finanziellen Probleme nicht gewesen wären, hätte ich jetzt Kinder und wäre glücklich", berichtet sie der Zeitung.

Es sind nur ein paar von tausenden Schicksalen, die manchmal mehr, manchmal weniger von der Eurokrise getroffen sind. Doch sie alle lassen sich letztlich nicht unterkriegen und versuchen den Neustart. Manchmal zumindest beruflich mit einem guten Ende. So wie bei der Spanierin Esther Sebastián, die inzwischen eine Sprachschule für Spanisch in Dänemark eröffnen konnte. Dennoch denke sie noch immer darüber nach, zurück in ihre Heimat zu gehen — weil das Leben in Dänemark härter sei und sie sich einsam fühle.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Europas Krisenherde im Überblick

(das)