Neues Buch "Die Euro-Lügner" des ehemaligen BDI-Chefs: Hans-Olaf Henkel rechnet mit Angela Merkel ab

Neues Buch "Die Euro-Lügner" des ehemaligen BDI-Chefs: Hans-Olaf Henkel rechnet mit Angela Merkel ab

Europa bekommt die Finanzkrise kaum in den Griff. Die Liste der Euro-Kritiker wird länger. Die Partei Alternative für Deutschland (AfD) könnte sogar in den Bundestag einziehen. Einer ihrer bekanntesten Unterstützer ist Hans-Olaf Henkel. In seinem Buch rechnet er mit Rettungspolitik der Staatengemeinschaft ab.

Je mehr Hilfs-Milliarden auf Pump in die maroden Verwaltungsapparate der EU-Sorgenkinder fließen, desto größer wird auch die Riege der Kritiker. Nicht nur in den Krisenländern selbst. Auch in Deutschland wächst der Unmut.

Die AfD schimpft über den Euro und will ihn am liebsten ganz abschaffen. Prominentester Unterstützer der Partei, der zugetraut wird, bei der anstehenden Bundestagswahl ins Parlament einzuziehen, ist Hans-Olaf Henkel. Ein Schwergewicht der Industrielobby.

Henkel-Buch erscheint am 22. Juli

In seinem neuen Buch "Die Euro-Lügner - Unsinnige Rettungspakete, vertuschte Risiken - So werden wir getäuscht" - rechnet der ehemalige Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) mit der Regierung von Kanzlerin Angela Merkel und der Rettungspolitik einer ganzen Staatengemeinschaft ab.

Wer sind die Politiker, die das Festhalten am Euro um jeden Preis und den Euro-Rettungsschirm als alternativlosen Heilsbringer propagieren? Sind sie selber von ihren Botschaften überzeugt? Was ist ihre wahre Agenda? Mit diesen Leitfragen beschäftigt sich Henkel in seinem 272-Seiten-starken Werk, das im Heyne-Verlag erscheint und am 22. Juli auf den Markt kommt.

"Euro-Lügen sind raffiniert"

"Focus Online" zitiert Passagen aus dem Buch. "Das Raffinierte an den Euro-Lügen besteht ja darin, dass man sie nicht als solche erkennen kann. Sie klingen, als wären sie unbestreitbare Wahrheiten, zumal wenn sie von Autoritäten wie der Kanzlerin oder dem Euro-Gruppen-Chef ausgesprochen werden."

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Der frühere BDI-Chef prangert eine Taschenspielertrick-Mentalität in der Politik an, die dazu führe, dass der Bürger getäuscht werde. "Noch überzeugender wirkt, wenn der gesamte Deutsche Bundestag, mit Ausnahme der Linken, den diversen Rettungspaketen zustimmt, was ja für jeden Bürger besagen soll: Es stimmt, was uns als Abgeordneten hier gesagt wird — sonst würden wir nicht dafür stimmen."

Wirtschaft wächst langsam

Die Realität sähe indes anders aus. Nach Ansicht Henkels verführe Merkel die Bürger mit ihrem Zitat "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa" dazu, die Währung mit der Stabilität und dem Zusammenhalt eines ganzen Kontinents gleichzusetzen. Dies sei seiner Meinung nach falsch. "Nur 17 Länder haben den Euro als Währung, die Europäische Gemeinschaft besteht aber aus 27 Ländern, und ganz Europa hat, wie ich nachgerechnet habe, immerhin 51 Länder aufzuweisen, zu denen unter anderem die Schweiz, Norwegen oder die Ukraine gehören."

Als Beweis führt Henkel die Faktenlage an: So habe Deutschland seit Einführung des Euro massiv Kapital in andere europäische Länder exportiert und damit für deren Wachstum gesorgt. "Dafür importiert Deutschland die Inflation und sorgt so für unsere eigene Schwächung." Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sei die deutsche Wirtschaft langsamer gewachsen. Nur spreche keiner der hochrangigen, politischen Vertreter diese Wahrheiten an.

Henkel für Nord-Euro

Deutschland und die gesamte Euro-Zone befänden sich auf einer abschüssigen, glitschigen Bahn, von der man nicht mehr herunterkomme, wenn die Politik nicht endlich ihre Fehler mit dem Euro einsehe. Man könne sich bei der gesamten Politik zur Euro-Rettung auf keine Versprechen mehr verlassen. Das sei verheerend.

Henkel plädiert für einen Nord-Euro: "Weil unsere Exporte dann einen auf dem Weltmarkt realistischen Preis erzielen und nicht mehr durch die Steuerzahler subventioniert werden müssen. Und weil dann unsere Politiker, Unternehmer und Medienvertreter den Interessen der Deutschen dienen könnten und nicht länger als Euro-Lügner auftreten müssten. Vor allem aber, weil nur so die Südländer wieder eine Chance haben, ihre Güter und Dienstleistungen auf den Weltmärkten abzusetzen."

(nbe)
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