Grüne Politiker loben von der Leyern für ihre Wahlkampfrede

EU-Kommissionspräsidentschaft : Viel Lob bei deutschen Grünen für von der Leyen

Entgegen der Parteilinie haben einige Grünen-Politiker die Rede von Ursula von der Leyern gelobt. Von der Leyen will EU-Kommissionspräsidentin werden. Die Fraktion der Grünen hatte angekündigt, dagegen stimmen zu wollen.

Ursula von der Leyens Bewerbungsrede für den Posten der EU-Kommissionspräsidentin im EU-Parlament ist bei vielen Grünen in Deutschland gut angekommen. Gegen die Linie der EU-Grünen, die gegen die CDU-Politikerin stimmen wollten, äußerte sich am Dienstag zum Beispiel Ex-Parteichef Cem Özdemir: Die Kandidatin habe die „Klimakrise, unser Europa als gemeinsame Wertegemeinschaft und eine klare Abgrenzung gegen alle, die das zerstören wollen, was wir uns zusammen in Europa erarbeitet haben“ in den Mittelpunkt gestellt, schrieb er auf Twitter. „Davon mehr, dann haben wir die Chance auf eine gute Kommission.“

Die Grünen im EU-Parlament hatten von der Leyen befragt und sich entschieden, sie nicht zu unterstützen. Wenn sie das geschlossen durchziehen, fehlen der deutschen Kandidatin 75 der 747 Stimmen; 374 Stimmen braucht sie für die Wahl. Özdemir war mit seiner Meinung nicht alleine. Sein Fraktionskollege Danyal Bayaz schrieb, von der Leyen habe „einen Vertrauensvorschuss verdient“, denn sie sei „überzeugend für Europa, Klimaschutz und eine offene Gesellschaft eingetreten“. Auch der Abgeordnete Sven Lehman zeigte sich beeindruckt: „gute, leidenschaftliche und pro-europäische Rede“, twitterte er. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank fand die Kandidatin „sehr überzeugend, inhaltlich wie persönlich“.

Von den Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck war zunächst noch nichts zu hören – beide sind gerade im Sommerurlaub. Auch die deutschen Grünen im Europaparlament lobten von der Leyens Auftritt. „Gute Rede, unbestritten“, schrieb etwa Ex-Parteichef Reinhard Bütikofer, bei den Grünen gebe es „Meinungsfreiheit“. „Schöne Rede“, kommentierte auch Fraktionschefin Ska Keller. Ihnen fehlten aber konkrete Zusagen. Der EU-Abgeordnete Sven Giegold bemängelte, von der Leyen sei inhaltlich „nicht gut genug“ gewesen und habe nichts zum Artensterben gesagt.

(chal/dpa)
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