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Griechenland: Kampf um den Euro gleicht einem Schachspiel

Kampf um den Euro : Das Griechen-Schach

Der Kampf um den Euro gleicht einem Schachspiel - und zwar Blitz-Schach. Schon bis Sonntag muss eine Entscheidung stehen. Die Zeit läuft also. Und ein Schachmatt wird wahrscheinlicher.

Mit dem vergifteten Antrag auf Hilfe, den Griechenland am Donnerstag an die Euro-Finanzminister richtete, ist die Spannung im Spiel um die Griechenland-Rettung weiter gestiegen. Die Uhr tickt, bis 28. Februar muss die Partie zu Ende sein. Wenn Athen dann nicht seine Kredite mit frischem Geld bedient hat, droht die Pleite. Schon bis Sonntag muss eine Lösung stehen, damit nationale Parlamente die Hilfe fristgerecht absegnen können.

Giannis Varoufakis Der Finanzminister ist die zentrale Figur im Spiel der Griechen. Er hat den Brief geschrieben, mit dem sein Land formal auf die Helfer zugeht. Tatsächlich aber enthält der Brief lauter vergifte Formulierungen: Griechenland versucht nebenbei, die Zustimmung der Euro-Gruppe für Wachstums- und Umverteilungsprogramme einzuholen und vermeidet zugleich jede Verpflichtung auf Reformziele und den geforderten Haushaltsüberschuss. Schon vor einer Woche hatte Varoufakis foul gespielt, als er bei einem ersten Minister-Treffen auf die Abreise von Schäuble wartete, bevor er den anderen Kollegen neue Forderungen auftischte. Immerhin durchschauten diese sein Spiel.

Wolfgang Schäuble Der Bundesfinanzminister ist der größte Gegenspieler der Griechen. Blitzschnell durchschaut er ihre Züge. Kaum war gestern der Brief von Varoufakis draußen, entlarvte Schäuble ihn als Bluff. Schäuble hat den Griechen auch zu verstehen gegeben, dass es eben zum Grexit, zum Austritt Griechenlands aus dem Euro, kommen muss, wenn sie sich nicht an die Spielregeln halten. Ob die Kanzlerin, die mit der Ukraine genug beschäftigt ist, Schäubles konsequente Linie bis zum Ende mitträgt, ist allerdings offen.

Mario Draghi Der zweite große Gegenspieler der Griechen ist der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Um den Griechen klarzumachen, dass die Geduld der Retter am Ende ist, hob Draghi vor zwei Wochen die "Lex Hellas" auf, wonach griechische Banken eine Zeit lang griechische Staatsanleihen als Sicherheiten für Kredite einreichen durfte, obwohl es sich dabei um Ramsch-Papiere handelt. Mit dem Rauswurf der Troika-Kontrolleure war die Geschäftsgrundlage für diese Ausnahme entfallen. Bislang verbietet Draghi den Griechen auch, kurzfristige Staatsanleihen (T-Bills) als Sicherheit für Kurzfrist-Kredite einzureichen. Zudem sitzt Draghi auf dem Topf für Notkredite (ELA). Ohne diese wären einige griechische Banken bereits zahlungsunfähig. Am Mittwoch erhöhte Draghi den ELA-Topf auf 68,3 Milliarden Euro, wenn auch befristet bis Ende des Monats. Manche werten das allerdings schon als riskantes Entgegenkommen, was den Übermut der Griechen beflügelte.

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Jean-Claude Juncker Der EU-Kommissions-Präsident tritt auf wie ein Springer, zieht mal hierhin, mal dorthin und verärgert durch eigenmächtige Aktionen. Am Sonntag telefonierte er mit Regierungschef Alexis Tsipras und machte ihm Hoffnung auf einen Kompromiss. Entsprechend selbstbewusst trat Varoufakis dann am Montag beim Treffen der Finanzminister auf, das mit einem Eklat endete. Dabei hat Juncker hier erstens nichts zu entscheiden und zweitens die Taktik der 18 Finanzminister unterlaufen, die wie ein Mann gegen Athen stehen wollen. Schon sein öffentliches An-die-Hand-Nehmen von Tsipras bei dessen Antrittsbesuch hatte für Verwunderung gesorgt. Juncker ist Wiederholungstäter. Auf dem Höhepunkt der ersten Hellas-Krise im Mai 2011 hatte er ein Treffen der Euro-Finanzminister zu Griechenland dementiert, obwohl es stattgefunden hatte. Die Märkte vermuteten die nahende Hellas-Pleite und stürzten wieder einmal ab. Merkel hält folglich nichts von Juncker.

Jeroen Dijsselbloem Der niederländische Finanzminister und Chef der Euro-Gruppe ist die zweite unglückliche Figur. Gestern twitterte er erst begeistert, er habe den ersehnten Hilfe-Brief aus Athen erhalten. Offenbar wurde ihm erst später klar, wie vergiftet der war. Anfang der Woche hatte er schon zur Verwirrung um diverse Forderungs-Papiere beigetragen, die Athen schamlos ausnutzte. Dijsselbloem hat zwar die richtige Haltung, ist aber zu unerfahren im Euro-Schach.

Alexis Tsipras Der Regierungschef hat es in der Hand: Will er sich und sein Land matt setzen lassen und in den Grexit gehen, nur um seine illusionären Wahlversprechen einzuhalten? Dabei wäre ein Austritt Griechenlands für die Griechen viel schlimmer als für die Euro-Zone.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Giannis Varoufakis

(anh)