Gespräch über Klimawandel Luisa Neubauer und Greta Thunberg besuchen die Kanzlerin in Berlin

Berlin · Das erste Treffen bei der UN-Generalversammlung im vergangenen Jahr hat die junge schwedische Klimaaktivistin nicht in guter Erinnerung. Am Donnerstag wollen die „Fridays for Future“-Gründerin und ihre deutsche Mitstreiterin mit Angela Merkel über die Klimaziele der EU reden.

 Luisa Neubauer (l.) und Greta Thunberg 2019 im Hambacher Forst.

Luisa Neubauer (l.) und Greta Thunberg 2019 im Hambacher Forst.

Foto: dpa/Oliver Berg

Die Kanzlerin bekommt Besuch. Die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg will 90 Minuten lang im Bundeskanzleramt mit Angela Merkel sprechen – Deutschland hat derzeit den Ratsvorsitz in der Europäischen Union inne. Anlass für die Einladung ist ein Schreiben Thunbergs und der deutschen „Fridays for Future“-Aktivistin Luisa Neubauer vom Juli an die EU. „Wir stehen vor einer existenziellen Krise“, hieß es darin. Neubauer wird in Berlin ebenfalls dabei sein.

Der Donnerstag ist für Thunberg zugleich ein besonderer Tag – an diesem Datum vor zwei Jahren begann die damals völlig unbekannte Schülerin vor dem schwedischen Reichstag ihren legendären Schulstreik, aus dem „Fridays for Future“ entstand. Die Bewegung musste ihre Protestmärsche im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie ins Digitale verlegen und hat deshalb öffentliche Präsenz und Anhängerschaft eingebüßt. Am 25. September will „Fridays for Future“ mit dem „Globalen Klimastreik“ wieder auf den Straßen und Plätzen der Metropolen Präsenz und Stärke zeigen.

An Radikalität hat Thunberg nichts eingebüßt. „Entweder wir bestehen weiter als Zivilisation oder nicht. Wir müssen nun das scheinbar Unmögliche tun“, sagte die 17-Jährige kürzlich in der „Sommererzählung“, einer beliebten Sendung im schwedischen Radio. Dort erzählte sie auch, dass ihr erstes Treffen mit Merkel bei der UN-Generalversammlung im September in New York wenig glücklich verlaufen sei. Die Kanzlerin sei allein an einem Selfie mit ihr interessiert gewesen, das sie online veröffentlichen könnte, kritisierte Thunberg.

Doch nun soll das Treffen über PR hinausgehen. In der EU stehen im September Verhandlungen über das Klimaziel bis 2030 an. Merkel hat sich für eine Reduktion des Ausstoßes von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) um 55 Prozent gegenüber 1990 ausgesprochen, was Thunberg zu wenig ist.

Mit der bei Jugendlichen beliebten Aktivistin kann die Kanzlerin andererseits ihre Ernsthaftigkeit in Klimafragen untermauern – sie muss jedoch auch mit kritischen Fragen rechnen. Thunberg gilt im Gespräch als sehr direkt und ist gemeinhin nicht zu Smalltalk aufgelegt.

In Schweden ist sie nicht unumstritten. In den führenden überregionalen Zeitungen „Dagens Nyheter“ und „Svenska Dagbladet“ wurde jüngst moniert, dass sie bei ihren Anhängern wie eine Kassandra verehrt werde, die ein „Wahrheitsserum“ habe. Thunberg zitiere aus wissenschaftlichen Studien und leite dann aus ihrer persönlichen Sicht daraus noch weit radikalere Forderungen ab.

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