Kriseninsel droht die Pleite: EZB fordert schnelle Hilfen für Zypern

Kriseninsel droht die Pleite : EZB fordert schnelle Hilfen für Zypern

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen drängt die EU-Länder zu schnellen Hilfszusagen an das krisengeplagte Zypern. Eine Entscheidung erst nach der Bundestagswahl käme aus seiner Sicht zu spät.

"Ich erwarte, dass das Hilfsprogramm für Zypern Ende März steht", sagte Asmussen dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe). Wenn Zypern keine externe Hilfe erhalte, rutsche das Land in die Zahlungsunfähigkeit. Einen Zeitpunkt, wann dem Eurostaat das Geld ausgehen könnte, wollte er nicht nennen. Die Entscheidung für Finanzhilfen dürfe keinesfalls bis nach der Bundestagswahl im September aufgeschoben werden, stellte der Notenbanker klar.

Zypern benötigt Schätzungen zufolge Kredite in Höhe von 17 Milliarden Euro, davon sollen nach Angaben der Regierung höchstens acht Milliarden Euro an angeschlagene Banken fließen. Zypern hatte bereits im Juni Hilfe aus dem Rettungsfonds erbeten. Der Antrag ist jedoch umstritten. Dem Land wird besonders in Deutschland vorgeworfen, nicht entschieden gegen Steuerbetrug und Schwarzgeld etwa aus Russland vorzugehen.

Asmussen forderte zudem die französische Regierung zur Einhaltung der Ziele bei der Haushaltskonsolidierung auf. "Es ist extrem wichtig, dass Frankreich in diesem Jahr seine Zusage erfüllt, das Defizit bei der Neuverschuldung unter drei Prozent zu senken", sagte Asmussen dem "Handelsblatt". Er vertraue darauf, dass die Regierung die notwendigen Maßnahmen dafür umsetze. Sollten Prognosen darauf hindeuten, dass der Zielwert verfehlt werde, sei es "im eigenen Interesse der Regierung in Paris zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen", sagte Asmussen. Europa habe Interesse an einem wirtschaftlich starken Frankreich.

(AFP/pst)