Siegfried Hildebrandt: Ex-Banker fordert europäisches Finanzministerium

Siegfried Hildebrandt : Ex-Banker fordert europäisches Finanzministerium

Der Düsseldorfer Siegfried Hildebrandt sorgt sich um das Geld der Allgemeinheit. Mit seiner eigenen Interessengemeinschaft kämpft er gegen den Staatsbankrott – und fordert die Politik auf, endlich zu handeln.

Der Düsseldorfer Siegfried Hildebrandt sorgt sich um das Geld der Allgemeinheit. Mit seiner eigenen Interessengemeinschaft kämpft er gegen den Staatsbankrott — und fordert die Politik auf, endlich zu handeln.

Der ehemalige Banker Siegfried Hildebrandt fordert, angesichts der Schuldenkrise ein europäisches Finanzministerium zu schaffen, dem die Euro-Länder alle Zuständigkeiten übertragen, die für die Wiederherstellung der Schuldentragfähigkeit erforderlich sind. "Dazu gehört auch ein geordnetes Ausscheiden eines Landes aus dem Euro-Raum mit einer Option für einen Wiedereintritt nach der Gesundung. Deutschland muss hier die Federführung übernehmen", sagte der Experte der Interessengemeinschaft Zukunftsfähigkeit (IGZ) in einem Vortrag bei den "Düsseldorfer Jonges".

Hildebrandt war früher Direktor bei der WestLB, mittlerweile ist er pensioniert. 2009 gründete der Düsseldorfer kurz vor der Bundestagswahl die IGZ. Seitdem warnt Hildebrandt vor dem Staatsbankrott und setzt sich für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands ein. Parteien und Institutionen vertraut er nicht mehr. Seiner Bürgerinitiative dagegen schon, weil die "noch nicht verbraucht ist und keine eigenen Interessen vertritt".

Hildebrandt will aufklären, weil die Zahlen, wie er sagt, "eine deutliche Sprache sprechen": So habe Deutschland allein 2013 rund 56 Milliarden Euro (also rund 690 Euro pro Bundesbürger) Zinsen an Investoren gezahlt, die nicht mehr für Zukunftsinvestitionen zur Verfügung stehen. "Die Europäische Zentralbank kauft Staatsanleihen und senkt den Leitzins auf ein Rekordtief. Die Zeche zahlt schon jetzt der Sparer. Das gefährdet die Stabilität unserer Gesellschaft", warnte Hildebrandt. Im Dezember des vergangenen Jahres hat die Europäische Zentralbank angekündigt, Kreditpakete und Staatsanleihen in einer Größenordnung von 1000 Milliarden Euro anzukaufen. "Das hat mit Geldpolitik nichts zu tun. Damit werden Banken und die Problemländer gerettet. Das ist eine Umverteilung des Risikos auf die Steuerzahler", kritisierte Hildebrandt. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts in München haben die Deutschen durch die Niedrigzinspolitik bisher bereits etwa 300 Milliarden Euro verloren. "Deutschland braucht deshalb einen schmerzhaften Strategiewechsel der Politik: weg von dem Blick auf Wahltermine, zurück zu dem Erfolgsmodell der sozialen Marktwirtschaft."

Auch das Gebot der Generationengerechtigkeit habe die Politik bisher fahrlässig ignoriert, mahnt der Experte. Der demografische Wandel und die nicht nachhaltig finanzierten Sozialsysteme seien "tickende Zeitbomben". Ein Entkommen aus der aktuellen Situation werde jedoch nicht mehr zum Nulltarif möglich sein. Hildebrandt: "Die Botschaft aus Deutschland muss lauten: Solidarität ja — aber nicht ohne Souveränitätsverzicht. Solidarität ist keine Einbahnstraße."

Mehr Informationen zu Siegfried Hildebrandt und seiner Initiative gibt es hier.